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Halle (Saale) - 20. Januar 2009 | salikus.de

Rap-Poeten und Wort-Artisten in Halle (Saale)

Poetry Slam im Turm - Ein Wettstreit der Kontraste und Emotionen

Heiter, besinnlich und schmerzvoll die Stimmungen der Texte beim 14. Poetry Slam im TURM von Halle (Saale). Neun Teilnehmer zelebrierten Balladen, Prosa, Lyrik und gereimten Rap aus eigener Feder und stellten sich dem Urteil des Publikums.

Bild: Livia Makrinus, Sängerin bei Blue Bossa aus Halle

© Sven Dressler / HALternativ

Blue Bossa aus Halle (Saale) - hier die Sänger Livia Makrinus - sorgte mit Latinojazz für die musikalische Untermalung des Dichterwettstreits im TURM.

Bild: Katja Hoffmann beim Poetry Slam in Halle (Saale)

© Sven Dressler / HALternativ

Die Newcomerin des Abends, Katja Hoffmann, schaffte auch gleich den Einzug ins Finale. Darauf war sie offensichtlich nicht vorbereitet und musste sich im Finale mit einer Plauderei über Wasser halten.

Bild: Julius Fischer beim 14. Poetry Slam in Halle

© Sven Dressler / HALternativ

Julius Fischer aus Leipzig überzeugte mit Witz und Wortakrobatik und war einer der Sieger im Doppelpack des 14. Poetry Slam in Halle (Saale).

Bild: Andy Strauß aus Münster beim Poetry Slam in Halle

© Sven Dressler / HALternativ

Schräg und "unheimlich" fantasievoll, der Wortakrobat aus Münster: Andy Strauß. Nicht nur die Geschichte von seiner Schwester, dem Piloten und seinen sexuellen Wolkenfantasien dürften dem Publikum in Erinnerung geblieben sein.

Bild: Max Riethmüller

© Sven Dressler / HALternativ

Max Riethmüller überzeugte mit Sprachgewalt und eingehenden Balladen. Er bewies, dass er nicht nur überzeugend vortragen, sondern auch berührende Lyrik schreiben kann.

Bild: Der TURM der Moritzburg in Halle (Saale)

© Thomas Schult

Auch der 14. Poetry Slam in Halle (Saale) bot wieder viele witzige und tiefgründige Texte. Neun Wettbewerber stellten sich dem Urteil des Publikums im TURM.

 

Wer am Sonntagabend zu spät die Treppen zum TURM hinauf stieg, hatte nur noch die Chance auf einen Stehplatz. Nachdem Blue Bossa, die unaufgeregten und schnörkellosen aber eingängigen Latinojazz boten, das Publikum auf den Abend eingestimmt hatte, gab es zunächst Verwirrung über die tatsächliche Anzahl der Teilnehmer am 14. Poetry Slam des HALternativ e.V.. Absagen und Entschuldigungen waren dann aber schnell vergessen, denn neun Wettbewerber versprachen eine abwechslungsreiche Veranstaltung. Den Einstieg des Abends und außerhalb des Wettbewerbs bot Christoph Fröhlich, der mit einem Text über Zeitumstellung und störende Nachbarn den Wettstreitern das Aufwärmen erleichterte.

Rasante Vorträge
Es scheint so, dass die Leipziger besonders temporeiche und schlagfertige Wortkünstler aufzuweisen haben. Wer beim Dezember-Slam zu Gast war, wird sich an Andre Herrmann erinnern, der mit einer wortgewaltigen Satire das Verhältnis der Hallenser zu den Leipzigern sezierte.
Den Wettbewerb startete nun wieder ein Leipziger und das mit einer rasenden Geschichte. Julius Fischer bot, nach dem er ein wortloses Fingergedicht zum Besten gab, aus seiner Reihe „Ich hasse Menschen“ die Kurzgeschichte „Mein neues Fahrrad“ an und das mit der höchsten Übersetzung.
Auch der in Münster lebende Andy Strauß ließ es nicht an Geschwindigkeit fehlen. Sein Vortrag war schräg und ebenso seine Geschichte, in der es um einen Wohnwagenkauf „seiner Eltern“ ging und von nun an kein Geld mehr für ihren Sohn da wäre. Das einzige Einkommen, welches er bis dahin hatte.
Lutz Bocher, als dritter Teilnehmer im Wettbewerb, war nun das lebende Beipsiel, dass Poetry Slam nicht nur von guten Texten lebt, sondern auch vom Vortrag. Leider sprach er zu undeutlich und in einem Rhythmus, der die gebotene Geschichte immer wieder ins Stocken geraten ließ. Sein Mut wurde dennoch mit einem herzlichen Beifall belohnt.

Abrechnung mit Tiefgang
Newcomerin in der Welt des Poetry Slams und des Abends war Katja Hoffmann. Ihr lyrischer Text „Spur 8“ ist die Abrechnung mit einer 
Beziehung und war rhythmisch und vehement von ihr vorgetragen worden.
Auch Max Riethmüller gab dem Abend einen gekonnten Tiefgang. Seine Ballade „Der Besuch eures Königs“ und seine lyrische „Johanna“ waren der absolute Kontrast, zu den Vorträgen von Julius Fischer und Andy Strauß. Max Riethmüller erzwang im Turm eine fast beklemmende Stille, besonders mit der leidvollen Geschichte um „Johanna“. Man wollte meinen, dass er beim Schreiben der Verse ebenso gelitten hat. Und dem Moderator des Poetry Slams in Halle (Saale), Tobias Glufke, fiel der Übergang zum nächsten Programmpunkt deutlich schwer.
Dieter Behrens präsentierte eine Gegenwartsflucht mit Augenzwinkern, denn „Die Sorgen die ich habe machen andere mir“. Und Tobias Kretzschmars namenlose Lyrik beschrieb den scheinbar unendlichen Fall eines Buches, dem die Zuhörer gespannt folgten.

Dadaismus und gereimter Rap und Sieger im Doppelpack
Ins Finale kamen an diesem Abend Julius Fischer und Andy Strauß, was zu erwarten war. Aber auch Max Riethmüller und Katja Hoffman hatten die Gunst des Publikums auf ihrer Seite. Was Katja Hoffmann offenbar nicht erwartet hatte, denn sie brachte keinen zweiten Text mit und behalf sich mit einer amüsanten Plauderei mit dem Publikum.
Während Max Riethmüller abermals für die schwere Kost des Abends verantwortlich zeichnete, strapazierten Julius Fischer und Andy Strauß mit gereimten Rap und dadaistischen Geschichten die Lachmuskeln des Publikums. Der Leipziger und der Münsteraner mussten sich dann auch den Sieg des Abends teilen. Ihre bestechend humorvollen Texte und die Art ihrer Vorträge, ließen kein anderes Ergebnis beim 14. Poetry Slam in Halle (Saale) zu.

 

 

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