Von der Bühne in die Chefetage: Axel Köhler
Die Oper in Halle (Saale) hat mit der neuen Spielzeit auch einen neuen Direktor
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© Thomas Schult
Er ist Publikumsliebling und ein ausgewiesener Händelkenner und jetzt der neue Direktor der Oper Halle: Axel Köhler.
Überrascht und freudig zugleich wurde in der letzten Woche die Nachricht aufgenommen, dass mit Beginn der neuen Spielzeit 2009/10 Altus und Regisseur Axel Köhler Direktor der Oper Halle ist. Der Opernsänger stand bereits 1984, also vor 25 Jahren, das erste Mal auf der Bühne der halleschen Oper und avancierte über die Jahre zum Publikumsliebling in Halle (Saale).
Damit hat die Doppelspitze am halleschen Opernhaus eine prominente und zugleich hausinterne Bereicherung. Wobei Doppelspitze formal falsch ist. Denn als Direktor der Oper hat Axel Köhler keinerlei wirtschaftliche Kompetenzen, lediglich für die Besetzung der Operninszenierungen kann er Verantwortung übernehmen.
Aber erklärtes Ziel ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit dem künstlerischen Leiter der Oper, GMD Karl-Heinz Steffens, so Axel Köhler in einem kurzen Gespräch mit SALIKUS.de.
Händel und seine Zeitgenossen
Mit seinem Amtsantritt hat Halle (Saale) einen ausgewiesenen Händelkenner in die Operndirektion gerufen. Denn Axel Köhler sang die Titelpartien in den Händel-Opern "Sosarme", "Tamerlano", "Giulio Cesare", "Orlando", "Tolomeo", Giudo in "Flavio", Athamas in "Semele" und Arsamene in "Serse". Im Jahr 2000 begann Axel Köhler auch als Regisseur tätig zu werden und feierte sein erfolgreiches Debüt mit Monteverdis Oper „L'incoronazione di Poppea“. Es folgten Inszenierungen der Händel-Opern Rodrigo, Teseo, Admeto und Amadigi.
Dass Axel Köhler gleich zum Amtsantritt das Gespräch mit Clemens Birnbaum, dem neuen Direktor der Händel-Haus-Stiftung, suchte war dann nicht nur eine Pflichtaufgabe, die er zu absolvieren hatte. Doch so hartnäckig wie Clemens Birnbaum, ist auch Axel Köhler im Verschweigen konkreter Pläne oder einem kleinen Ausblick auf die nächsten Händel-Festspiele. Aber für die zukünftigen Spielpläne der Oper Halle sieht er mehr Inszenierungen von Werken Händels und seinen Zeitgenossen und nannte Monteverdi als Beispiel.
Auf die Frage, was er den Kritikern sage, die bemängeln, dass viel zu oft externe Opernsänger eingekauft werden, obwohl man am eigenen Haus gute Stimmen habe, reagierte Axel Köhler mit einem verwunderten Lächeln. Für ihn sei es völlig normal, dass man Inszenierungen auch mit Auswärtigen besetzt. Sie beleben die Arbeit an der Oper und fördern den fachlichen Austausch. Und auf die Frage, wie es mit seiner zukünftigen Präsenz auf der Bühne aussehe, kam die Antwort etwas zögerlicher. „Meine aktuellen Verpflichtungen werde ich noch umsetzen“, so Axel Köhler. Danach werde er sich von der halleschen Bühne zurückziehen, das sei nun einmal die Konsequenz, wenn man Direktor der Oper wird. Denn Kollegen zu beurteilen, mit denen er auf der Bühne steht, hält Köhler für unfair.
Die Suche nach Nähe zum Publikum
Auch wenn Axel Köhler noch keine konkreten Pläne benennen will, so ist ihm schon jetzt klar, dass das Opernhaus noch mehr auf das Publikum zugehen müsse. Eine Möglichkeit könnte ein breiteres Begleitprogramm zum normalen Spielplan sein. Denkbar wären hier wieder regelmäßige Matineen.
Auf die Möglichkeiten des Internets und damit dem neuen Internetauftritt der halleschen Bühnen angesprochen, der einen Blog und somit eine direkte Diskussion mit den Gästen ermöglicht, kam ein wacher und neugieriger Blick. Den neuen Webauftritt kenne noch nicht und er würde sich ihn unbedingt anschauen. Für ihn sei das Internet die erste Informationsquelle, um Details über Sänger und Regisseure zu erfahren. Ob er sich aber am Blog mit eigenen Beiträgen beteiligt, das könne er noch nicht sagen, aber über die neuen Möglichkeiten auf der Bühnenseite wird er sich auf alle Fälle informieren.
Zur Person:
Axel Köhler, Jahrgang 1960 und im erzgebirgischen Schwarzenberg geboren, studierte an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden Violinpädagogik und Gesang. Seit 1984 gehört er dem Ensemble der Oper in Halle (Saale) an – zunächst als Spielbariton, später als Altus. 1987 debütierte er als Eustazio in der legendären Halleschen Rinaldo-Inszenierung von Peter Konwitschny. Anspruchsvolle Countertenor-Partien folgten, vor allem in Händel-Opern wie Arsamene in „Serse“, David in „Saul“, Ottone in „Agrippina“, Daniel in „Belsazar“, Titelpartien in „Guistino“, „Julius Caesar“, „Tolomeo“, „Tamerlano“. Inzwischen gastiert Axel Köhler bei zahlreichen internationalen Festivals und erhält weltweit Angebote für Konzerte, CD-, Radio- und Opern-Produktionen.
Mehr über Axel Köhler: www.axelkoehler.com
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