Auf Entdeckungstour bei Burg-Studenten
Jahresausstellung der Kunsthochschule in Halle (Saale) lockte tausende Besucher
© Thomas Schult
Die jungen Designer Hans-Tobias Schicktanz und Tom Mudra präsentierten ihr Elektrorad in edlem Look und mit einer Reichweite von bis zu 60 Kilometern.
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10 Liter Design und mehr gab es im Design-Shop der Kunsthochschule zu kaufen. Von Vasen zum Anstecken am Kragen bis zu ungewöhnlichen Sitzmöbeln aus ungewöhnlichen Materialien.
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Dass sich Dorthe Kunow nicht nur um die längste Picknickdecke der Welt Gedanken machte, sie war eine der Initiatorinnen für den erfolgreichen Rekordversuch auf der Peißnitz, zeigt sie mit ihrem Mühlespiel mit erfrischenden Spielfiguren.
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Das Wellenhaus von Cornelia Himber, Anne Roßner und Ulrike Mutschke ist formschön und wirkt einladend. Leider ist es noch ein Modell.
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Sarah Stark nahm sich den Klassiker der Brettspiele vor und lässt jetzt auch Sehbehinderte am Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel teil haben.
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Ausdrucksstark und kraftvoll die Skulptur aus Stahl und Eiche von Johannes Schütz: Bondaged Oak.
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Fein, sinnlich und eine endlose Geduld ausstrahlend, die Bleistiftzeichnung "Enrico" von Franziska Eickmann.
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Frivol, erotisch und voll Lebensfreude die Figurengruppe aus Ton von Andrea Wiesner.
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Nicht nur seiner Größe wegen eindrucksvoll: der "Bergnebel" von Constanze Rilke, einer digitalen Jacquardweberei aus Baumwolle.
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Immer wieder bestens besucht zu den Jahresausstellungen der Burg Giebichenstein: die Ateliers der Bildhauer.
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Die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale) lud am vergangenen Wochenende zur Leistungsschau der Stundenten ein. Den Besuchern gewährte man zur Jahresausstellung Einblicke in Ateliers und Werkstatträume.
Wer am Wochenende sämtliche Ateliers und Werkstätten der Kunsthochschule in Halle (Saale) besuchen wollte, hatte jede Menge Kilometer zurückzulegen. Und es hat sich gelohnt, denn es gab jede Menge Neues zu entdecken bei der Jahresausstellung der Burg-Studenten, die ihre Arbeiten präsentierten und auch für Fragen zur Verfügung standen. Bereitwillig gaben sie Auskunft über verwendete Techniken, von ersten Schritten bis zum Ergebnis.
Ob praktisches und edles Industriedesign im Design-Campus am Neuwerk, Diplomarbeiten von Malern, Grafikern und Bildhauern im Volkspark oder in der Unterburg der Burg Giebichenstein, die Reihe der Lieblingsobjekte wurde immer länger.
Ähnlich dürfte es auch den Jurymitgliedern des Kunstpreises 2009 der Stiftung Stadt- und Saalkreissparkasse Halle gegangen sein, als sie sich am Donnerstag für einen Sieger entscheiden mussten.
Bei Lichte betrachtet ...
Andrea Nieke, die Buchkunst bei Prof. Mechthild Lobisch studierte, überzeugte am Ende die Jury mit ihrer Serie "tabula rasa". Handgeschöpfte Papierbögen die anonyme Fotografien von Gruppen nur dann preisgeben, wenn man sie gegen das Licht hält.
Vier weitere Diplomanden erhielten von der Stiftung eine Anerkennung. Steffen Kasperavicius (Medienkunst bei Prof. Ute Hörner), Christin Müller (Keramik bei Martin Neubert), Veronika Schneider (Bildhauerei bei Prof. Andrea Zaumseil) und Jenny Trinks (Bildende Kunst bei Prof. Una H. Moehrke) dürfen nun gemeinsam mit der Preisträgerin, die 2.500 Euro Preisgeld erhielt, eine Ausstellung im Kunstforum Bernburger Straße gestalten.
Edel sei der Mensch, hilfreich und gut ...
Ob die Burg-Studenten Goethes Gedicht "Das Göttliche" verinnerlicht haben, kann hier nicht gesagt werden. Auf alle Fälle drängte sich die erste Zeile aus dem Gedicht für die Ausstellungen im Design-Campus der Kunsthochschule am Neuwerk förmlich auf. Da wäre beispielsweise das edel gearbeitete Elektrorad von Hans-Tobias Schicktanz und Tom Mudra, welches besonders durch die Verwendung von Holzelementen auffiel. Aber auch die Reichweite von 60 km des edlen Gefährts überzeugte die Besucher.
Sarah Stark hat sich mit "Klangspiel_Spielklang" des Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiels angenommen und es auch für blinde Menschen spielbar gemacht. Die Besonderheit ist, dass hier sehende wie auch sehbehinderte gleich gestellt werden und somit die gleiche Ausgangslage vorfinden. Während der blinde Mitspieler seine Figuren erhören kann, hat der Sehende natürlich immer noch die Möglichkeit der farblichen Unterscheidung.
Dem alltäglichen Schnickschnack widmeten sich die Studenten aus dem 4. Semester für Innenarchitektur bei Prof. Klaus Michel. Sie zeigten Möbel mit viel Stauraum für Schmuck und Nähzeug. Oder gar eine Wäschekommode die man erst entdecken muss, jedenfalls ob das jetzt gerade eine Tür oder doch eine Schublade ist. Am auffälligsten, zugleich praktisch und dekorative, eine große weiße Lampe die als Fuß ein kleines Schränkchen hatte. "Würde ich sofort kaufen", wird da der Eine oder die Andere gedacht haben.
Geschmiedetes und Filigranes ...
Weniger dem Gebrauchswert, mehr dem Genuss des Betrachters widmen sich die Studenten der Burg Giebichenstein, die ihre Ateliers und Werkstätten in der Unterburg haben. Besonders eindrucksvoll hier immer wieder die Arbeiten aus den Bildhauerklassen. Ob es der einer Sagenwelt entsprungene "Handläufer" von Sebastian Pless ist oder der geschweißte "Aeon" von Christian Schmit, sie beweisen, dass man mit sprödem und widerspenstigem Material Lebendigkeit erzeugen kann. Eine Kombination aus Eiche und Schmiedeeisen wählte Johannes Schütz mit seiner Skulptur "Bondaged Oak", die an einen Breakdancer erinnert. Filigrane Sinnlichkeit hingegen strahlte die Arbeit aus Metall von Dongki Ha aus, die fast beiläufig im Flur der Werkstatträume stand.
Neben den Skulpturen gab es natürlich auch noch mehr zu sehen. So kleine feine Bleistiftzeichnungen, wie die von Franziska Eikmann aus dem 4. Studienjahr. Sie überzeugte besonders mit dem sinnlichen Portrait "Enrico". Oder die übergroßen und zugleich detailreichen Zeichnungen von Christian Diaz Orejarena, welche er unter dem Begriff "Googlelove" einem Schrein gleich in einem Raum präsentierte.
Auch die elektro-akustischen Installationen im Gartenhaus der Kunsthochschule sollen nicht unerwähnt bleiben. Denn ungewöhnliche Geräusch- und Videoinstallationen zogen die Besucher in den Bann und verführten sie.
All die Vielfältigkeit der Arbeiten in der diesjährigen Ausstellung war eine Herausforderung für alle Sinne und besonders für die Beine. Vieles weckte Begehrlichkeiten, viele Exponate werden nachhaltig in Erinnerung bleiben. Es war mal wieder eine Leistungsschau der Kunsthochschule in Halle (Saale), die Lust auf das nächste Jahr macht.
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