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Halle (Saale) - 15. Dezember 2008 | salikus.de

Ein Turm voller Poeten in Halle (Saale)

Poetry Slam ist Literatur im 6-Minuten-Takt

Sieben Teilnehmer lieferten am Sonntagabend ausgefeilte Wortgefechte. Vom berauschten Ausflug nach Rügen, über biertrinkende liebeshungrige Singles, hin zum Monolog als Streitgespräch. Doch der Sieger des Abends war ein ausgemachter Halle-Hasser und das Publikum hatte Spaß daran.

Bild: Die Finalisten des Poetry Slam in Halle (Saale)

© Thomas Schult

Elisabeth Wirth, Andre Herrmann, Tim Heinemann und Till Grüning waren die Finalisten des letzten Poetry Slam im Jahr 2008 in Halle (Saale). Doch der Leipziger Andre Herrmann überzeugte am Ende mit wortgewaltiger Satire.

Bild: Andre Herrmann aus Leipzig

© Sven Dressler / HALternativ

Der Leipziger Andre Herrmann gewann wieder einmal den Poetry Slam in Halle (Saale). Sein erster Text war allerdings nicht für neurotische Lokalpatrioten geeignet. "Halle hat sich selbst verdient" und er zu Recht den Sieg des Abends.

Bild: Elisabeth Wirth aus Berlin

© Sven Dressler / HALternativ

Ihrer Texte sind scharfzüngig und oft bitter, wenn da nicht dieser feine Humor wäre. Die Berlinerin Elisabeth Wirth überzeugte mit Betrachtungen zum Voyeurismus im Deutschen Fernsehalltag und abstrusen Randerscheinungen einer Kindertanzgruppe.

Bild: Tim Heinemann

© Sven Dressler / HALternativ

Tim Heinemann beschäftigte sich mit der Suche nach Liebe, die sich schließlich nach etlichen Bieren auf eine Frau reduzierte, am Ende war dann auch Liebe und Aussehen egal, Hauptsache ...

Bild: Till Grüning gab sein Debüt

© Sven Dressler / HALternativ

Mit gereimten Texten gab Till Grüning sein Debüt bei Poetry Slam. Augenzwinkernd bot er einen Monolog als Streitgespräch.

Bild: Tobias Glufke moderiert den Poetry Slam in Halle

© Sven Dressler / HALternativ

Der Moderator des Abends, Tobias Glufke, gab zum Auftakt einen "berauschenden" und rasanten Ausflug auf die Insel Rügen zum Besten.

Bild: Studentenklub TURM in Halle (Saale)

© Thomas Schult

Ein ruhiger vorweihnachtlicher Winterabend in Halle (Saale), aber hinter den dicken Mauern des Turms der Moritzburg tobten mal wieder intelligente und witzige Wortgefechte.

 

Die Moritzburg in Halle (Saale) macht gerade wegen spannender und mutiger Architektur Schlagzeilen, die Eröffnung des neuen Kunstmuseums ratterte aufgeregt durch die Medien, weltweit. Doch nicht weniger aufregend und spannend kann Poetry Slam sein, so geschehen am Sonntagabend im nordöstlichen Turm besagter Burg. Neun Teilnehmer waren gemeldet, sieben kamen, einer wird "vermisst" und der andere ließ sich entschuldigen. Und Tobias Glufke, der den Abend moderierte, stieg gleich mit einer selbst geschriebenen und erlebten Geschichte ein, als Aufwärmung, wie er versicherte.
Doch seine rasante Beschreibung eines Ausflugs auf die Insel Rügen trieb den Zuhörern die Tränen in die Augen, vor Lachen. Bier und LSD dominierten den Rügenbesuch und Rubensfrauen erschreckten den Autor. Aber seine Geschichte vom aggressiven Eichhörnchen, welches mit Eicheln nach ihm warf, war dann zum Glück nur ein Traum.
Es war ein gelungener Einstieg in den Abend und es sollte noch schlimmer – nein - rasanter werden.

Alte Hasen und ein Debütant
Weniger deftig und radikal war der Humor von Elisabeth Wirth. Die Berlinerin konnte sich aber ein paar makabere Ausflüge in ihrem Jahresrückblick nicht verkneifen und erntete dafür befreites Lachen, welches bei einigen Anwesenden zu ersticken drohte. Pointiert nahm sie die Jahresrückblicke von Johannes B. Kerner und Günter Jauch aufs Korn.
"Wäre die Erde eine Scheibe, Halle würde immer auf der anderen Seite liegen", meinte wenig später der Leipziger Andre Herrmann. Auch ein eingefleischter Lokalpatriot hätte ihm die sechsminütige Hasstirade gegen Halle nicht übel nehmen können. Mit einem Skalpell sezierte er das Verhältnis der Saalestadt zu Leipzig und kam zu der Schlussfolgerung, dass Halle (Saale) nur der kleine behinderte Bruder von Leipzig sein könne. Es war ein Maschinengewehrfeuer der Spitzen und Pointen, die auch von gebürtigen Hallensern belacht und beklatscht wurden.
Poetisch und gereimt endete die erste Runde des Wettstreits mit Till Grüning, dem Debütanten bei Poetry Slam und des Abends. Der übrigens ein fleißiger Mitstreiter beim HALternativ e.V. ist, dem Veranstalter von Poetry Slam in Halle. Sein Monolog als Streitgespräch ging ganz andere Wege, als seine Vorredner. Fragend und augenzwinkernd skizzierte er Widersprüche in einem Streitgespräch mit sich selbst. Das Publikum belohnte ihn mit dem Einzug ins Finale.
Doch am Ende gewann der Leipziger den Preis des Wettstreits, eine Flasche Sekt. Andre Herrmann war mit seiner Satire und seiner Wortgewalt tatsächlich der überzeugendste Teilnehmer des Abends.

Gut gewürzt und gekonnt garniert
Die Moderation von Tobias Glufke war humorvoll und unaufdringlich, sein "rauschender" Einstand ein Brüller. Und das Gewinnspiel mit zwei weiteren HALternativen Mitstreitern gab nicht nur einen intelligenten Pausenfüller ab. In 10 gespielten Bilderrätseln galt es Bücher zu erraten, von Franz Kafka bis Charlotte Roche die angebotenen Autoren. "Das Manifest" von Karl Marx erriet jedoch niemand und somit wertete die Jury hier den kreativsten Lösungsversuch. Das Bilderrätsel ist ohnehin ein fester Bestandteil von Poetry Slam im TURM. Ob Filme, Märchen oder Musicals, die HALternativen schrecken vor keinem Thema zurück. Zum nächsten Poetry Slam, der übrigens am 18. Januar 2009 stattfindet, sind gespielte Bilder zu berühmten Kunstwerken angesagt. Wer intelligente Wortakrobatik und mutige Poeten erleben will, dem sei die nächste Veranstaltung hiermit empfohlen.

Mehr Informationen zu Poetry Slam des HALternativ e.V. auf www.poetryslam-halle.de

 

 

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