Achtung, es wird scharf geschossen!

Weit verbreitet ist der Begriff "kumulative Radikalisierung" nicht, doch bei Historikern durchaus bekannt. Auch Annegret Hahn konnte ihn wohl sofort zuordnen und wirft nun Ulrich Katzer Antisemitismus vor.

Bild: salikus

Annegret Hahn erhebt schwere Vorwürfe gegen Ulrich Katzer

Halle (Saale) - 24. Mai 2009 | salikus.de

Antisemitismus an den Bühnen in Halle (Saale)? Schwer vorstellbar, dennoch genau dies wirft die Thalia-Intendantin dem Künstlerischen Betriebsdirektor der Theater, Oper und Orchester GmbH in einem Protestschreiben vor.

Es war schon im Vorfeld klar, dass die Fusion der Bühnen und Orchester in Halle (Saale) auch viel Unmut verursachen und viel Staub aufwirbeln wird. Allein der Machtkampf um die Personalhoheit in der Kultur GmbH machte es deutlich. Die Nagelprobe entschied letztendlich der Geschäftsführer Rolf Stiska für sich und die Intendanten oder Direktoren mussten sich einem entsprechenden Beschluss im halleschen Stadtrat beugen.

Kampf um Profil und Erhalt des Thalia-Theaters
Dass Thalia-Intendantin Annegret Hahn um die Autonomie ihres Hauses kämpft, ist spätestens seit Bekanntwerden der schwierigen Verhandlungen zu ihrem Intendantenvertrag bekannt. Sie befürchtet, "dass die Arbeit des Thalia Theaters, die in den letzten Jahren stattgefunden hat, systematisch zerstört  werden kann".
Eine Befürchtung, die wohl auch einige Mitarbeiter des Thalia-Theaters teilen. So stößt der Abzug der Theaterpädagogik aus dem Kinder- und Jugendtheater auf Unverständnis, da diese Arbeit den Hauptbestandteil am Hause ausmachen würde.
Doch auch Wegnahme von Technik stößt bei den Thalia-Mitarbeitern auf wenig Gegenliebe. In einem Gespräch mit Ulrich Katzer protestierten sie gegen den geplanten Abtransport eines Druckers. Dem entgegnete der künstlerische Betriebsdirektor: "Sie sollten sich an den Kopierer ketten. Dann werden Sie wohl an dem Platz ankommen, der für Sie der beste innerhalb der GmbH ist". (Quelle: Protokoll v. 30.3.2009) Worte die im Nachhinein große Verdrossenheit auslöste, berichteten einige Thalia-Mitarbeiter.

Protest gegen antisemitische Äußerungen
Den vorläufigen Höhepunkt, in den Auseinandersetzungen zwischen Annegret Hahn und der Leitung der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, setzt jetzt ein Protestschreiben der Intendantin an den Aufsichtsrat vom 12. Mai 2009.
Hier nimmt sie auf eine Unterredung mit Ulrich Katzer Bezug am 21. April 2009 Bezug.
"In diesem Gespräch äußerte Herr Katzer, dass er den vielfältigen Aktivitäten speziell unseres Theaters gegenüber nach dem Prinzip der "kumulativen Radikalisierung" verfahren möchte.", so die Intendantin im Prostetschreiben.
Hier ist die Wendung "kumulative Radikalisierung" Kern des Anstoßes und Auslöser für ihren "vehementen Protest".
Ein Begriff der nicht besonders weit verbreitet ist, jedoch unter Historikern der jüngeren Zeitgeschichte sofort in den Zusammenhang mit der so genannten "Endlösung der Judenfrage" im Dritten Reich in Verbindung gesetzt wird.

"Nachfragen im Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität konnten den Schock der Mitarbeiter nur bestätigen, dass "kumulative Radikalisierung" in keinster Weise eine Verharmlosung zulässt", so die Intendantin in ihrem Schreiben weiter.
Antisemitische Äußerungen, wie die des Künstlerischen Betriebsdirektors, könne die Intendantin nicht dulden. Dementsprechend scharf ihre abschließende Frage: "Was beflügelt Herrn Katzer, sich als "Herrenmensch" aufzuspielen gegenüber den "Untermenschen" / "der minderen Theaterrasse (Kinder-und Jugendtheater)" Thalia Theater?

Eine schriftliche Nachfrage von SALIKUS.de bei Ulrich Katzer vor zwei Tagen, wie er sich zu den gemachten Vorwürfen positioniert, blieb unbeantwortet.

Ein Fall für den Aufsichtsrat
Die Auseinandersetzungen zwischen Mitarbeitern des Thalia-Theaters, allen voran Intendantin Hahn, und der Führung der Theater, Oper und Orchester GmbH in Halle (Saale) drohen zu eskalieren. Ob es zum Thema eine Sondersitzung des Aufsichtsrates geben wird ist noch unklar. Prof. Ludwig Ehrler, Vorsitzender des Kulturausschusses, kannte auf Nachfrage den hier kritisierten Begriff nicht, erst Recht nicht im Zusammenhang mit Antisemitismus. Ehrler will aber noch die Darstellung von Ulrich Katzer zu den Umständen des Gesprächs erfahren, um sich zu den Vorwürfen äußern zu können.
Doch schon jetzt ist ihm klar, dass unbedingt eine Entspannung zwischen den handelnden Personen her muss, statt einer weiteren Verschärfung.

 

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