Ein expressiver Faust in der Oper Halle

Bild: Falk Wenzel

Faustas, der litauische Beitrag zum Festival Theater der Welt 2008

Halle (Saale) - 02. Juli 2008 | salikus.de

Mit Goethes Faust (Der Tragödie erster Teil) inszenierte der Litauer Eimuntas Nekrosius erstmals einen deutschen Klassiker. Klassisches Regietheater in Halle (Saale), des sonst sehr modernen  Theaterfestivals.

Den Theaterbesuchern verlangte Nekrosius am Donnerstag in Halle (Saale) vieles ab: mehr oder weniger gründliche Kenntnis von Goethes Faust I und vier Stunden Ausdauer.
Auch die textfesten Besucher waren für die deutschen Obertitel dankbar. Denn Eimuntas Nekrosius verzichtete in seiner Inszenierung auf Szenen, wie u.a. den Auberbachskeller, die Walpurgisnacht oder den Osterspaziergang; die an deutschen Schulen exzessiv durchgepaukt werden.
Und die die Gäste des Festival "Theater der Welt" 2008 wurden mit ausdrucksstarken Bildern belohnt. Bilder, die den Faust ohnehin auf einer zweiten Ebene erzählten, sie waren nicht nur Illustration. Trotz der 240 Minuten kann nicht gesagt werden, auf welches man hätte verzichten wollen oder können.

Kommst du nur immer anzuklagen?
Ist auf der Erde ewig dir nichts recht?


Denn wenn Gott ächzend und schwitzend die Welt in Bewegung hält, während Luzifer lustvoll auf tönerne Herzen schießt, dann war es nicht nur der Prolog, sondern ein erheiternder Einstieg in die Geschichte des Doktor Faust. Und Eimuntas Nekrosius bot noch mehr dieser Szenen, mit sparsamer Ausstattung und dennoch großer Wirkung. Er verzichtet auf technischen Schnick-Schnack und lässt die Schauspieler des Ensembles „Meno furtas“ (Vilnius) ausdrucksstarke Bilder zeichnen.
Mephisto, hervorragend gespielt von Salvijus Trepulis, gab sich respektlos und selbstherrlich. Das Geplauder mit Gott hatte Züge einer Kumpelei, welches schließlich in DER Wette endete.
Nekrosius reduziert die Inszenierung weitgehend auf die Begegnungen zwischen Mephisto und Faust

O glücklich, wer noch hoffen kann,
Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen!


Vladas Bagdanos mimte einen weltfremden Faust; ein Intellektueller, der sich mit dem Leben außerhalb seines Studierzimmers nicht so recht auskennt. Ein unzufriedener Erdbewohner, der bereits nach Doping lechzt, um seine eigenen Grenzen zu durchbrechen - da traf Mephisto auf ein williges Opfer.
Und seine Gehilfe Wagner (Povilas Budrys) gab sich gelangweilt, fast genervt. Er war eher darauf bedacht, den aüßeren Schein des Doktor Faust zu wahren und korrigierte immer wieder die Gesten seines gelehrten Herrn.

Und kurz und gut, ich gönn Ihm das Vergnügen,
Gelegentlich sich etwas vorzulügen;


Doch Gretchen war der aufgeregte Gegenpol des bisher gesetzten Spiels. Die junge Elzbieta Latenaite debütierte in dieser Rolle und war wunderbar und erfrischend anzuschauen, in ihrer Unsicherheit und ihrem fast irren Verlangen, dass sich der alte Faust zu ihr bekennen möge. Nekrosius setzte hier nicht auf Erotik, sondern auf Liebreiz. Es dominierte das Werben des Gretchen um Faust. Während der gelehrte Herr in Sehnsucht schwelgte aber doch zu feige war für einen offenen und ersten Schritt.

Ich habe mich zu hoch gebläht,
In deinen Rang gehör ich nur.


Eimuntas Nekrosius legte in seiner Inszenierung den Schwerpunkt auf Mephisto und die Verführbarkeit des Dr. Faust, deren Pakt mit einem dicken Seil festgezurrt wurde.
Er ließ die schwarze Geisterschar poetische Theaterbilder zeichnen. Einprägsam und eindrucksvoll das Osterfeuer und der Altar aus Spinnrädern oder das Spiel mit dem Irrlicht.
Auch wenn der Regisseur die Aufmerksamkeit der Zuschauer mit der unterlegten Musik, die fast einschläfernd wirkte, arg strapazierte, so schaffte es Nekrosius die Spannung aufrecht zu erhalten.
Zugegeben, Faustas ist schwere Theater-Kost – wegen seiner Länge und der auf litauisch vorgetragenen Texte. Doch wer dem klassischen Regietheater zugeneigt ist, war am Donnerstag, beim Festival "Theater der Welt" 2008, in der halleschen Oper voll auf seine Kosten gekommen, erst recht wegen der hervorragenden Darsteller von Mephisto, Gretchen und Faust.

 

Die letzten Nachrichten:

Wolter und Kollegen! gehen an den Start

Bild: {IMG_TITLE} Dem Theater war Tom Wolter in den letzten Jahren treu geblieben, jedoch weniger auf der Bühne. Jetzt ...mehr


 

HWG: Gezerre um Aufsichtsratsvorsitz in Halle (Saale) beendet

Bild: In seiner Sitzung am 10. Dezember hat der Aufsichtsrat der Halleschen Wohnungsgesellschaft mbH (HWG) ...mehr


 

Bild: Sitz der Halleschen Wohnungsgesellschaft mbH (HWG) Die Oberbürgermeisterin von Halle (Saale), Dagmar Szabados (SPD), schaltet sich in den ...mehr


 

Werbung

Benutzername  Passwort  
 
Login speichern  

Login-Formular schließen

Benutzername  Email-Adresse  
 
Passwort  Passwort wiederholen  
 

Registrierungs-Formular schließen

Suchbegriff
Optionen
... komplette OnlineMagazin
... Nachrichten auf SALIKUS.de
... Kulturkalender für Halle (Saale) durchsuchen.

Suchformular schließen