Fantastisch verwirrender Hochhaus-Thriller

Bild: Gert Kiermeyer

Premiere der Jost-Oper "Die Arabische Nacht" in Halle (Saale)

Halle (Saale) - 16. September 2009 | salikus.de

Zu ungewöhnlicher Zeit (21:30 Uhr) am ungewöhnlichen Ort eine ungewöhnliche Oper. Die Premiere im neuen theater in Halle (Saale) war zugleich der Auftakt für die neue Reihe "Nachtoper" des halleschen Opernhauses. Eine Inszenierung, in der das Bühnenbild die Handlungsstränge aufdröselte und die Musik den Zuschauer verwirrt aus der Premiere entließ.

Christian Jost nimmt in seiner Oper - nach dem gleichnamigen Roman "Die Arabische Nacht" von Roland Schimmelpfennig – den Zuschauer mit in eine Hochhaussiedlung an einem schwülen Sommerabend. In einem der Hochhäuser kommt mal wieder das Wasser nicht in den obersten Etagen an und Hausmeister Lomeier (Radoslaw Wielgus - Bariton) versucht das Problem zu lösen. Den Fahrstuhl benutzt er erst gar nicht, da dieser merkwürdige Geräusche macht, als ob er jeden Moment den Dienst verweigert. Eine Wohnung in der 7. Etage; Franziska (Sophie Klußmann – Sopran) schläft auf der Couch und neben ihr steht eine Flasche Cognac. Lomeier hat sich mit einem Generalschlüssel Zutritt zu ihrer Wohnung verschafft und steht über sie gebeugt, betrachtet sie eindringlich. Begehrend? Was folgt ist eine verwirrende Geschichte von Irrtümern und Träumen, von Voyeuren und schwachen Liebhabern. Und am Ende weiß man nicht, ob das Ganze nicht doch ein raffiniert gestrickter Thriller ist.

Regisseur Florian Lutz wählt für seine Inszenierung eine für Opern ungewöhnliche Bühnenanordnung. Trichterförmig sind die Tribünen aufgebaut und so dicht an der Bühne platziert, dass der Zuschauer das Spiel zum Greifen nah erleben kann. Bühnenbildner Sebastian Hannak, der auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet, hat ein aus Segmenten bestehendes und in Teilen aufgeschnittenes Hochhaus geschaffen, welches einem Puppenhaus gleicht. Mit dem Fortgang der Geschichte(n) offenbart sich die Bühne als ein zerbröselndes Gebilde, so als ob sie die Handlungsebenen aufdröseln und neu erzählen wolle. Da verselbständigt sich das Badezimmer und entpuppt sich als Oase im heißen Wüstensand, aus dem Lomeier erst das Bein seiner toten Frau ausgräbt und selbige später dann, mit fetter Narbe im Gesicht, selbst erscheint. Die erdrückende Enge der Hochhauswohnung von Franziska wächst zu ausufernder und beängstigender Weite. Ihre Träume geraten außer Kontrolle. Aber sind es wirklich nur Träume? Hausmeister Lomeier, dem der Geifer aus den Mundwinkeln tropft, könnte man tatsächlich einen Mord zutrauen. Oder der Freund Kalil (Nicholas Sales – Tenor) von Fatima (Susannah Haberfeld – Mezzosopran), der, Kaugummi kauend und frisch von der Sonnenbank gesprungen, Liebesschwüre singt und sich doch nicht wehren will oder kann gegen die geträumte Verführung von Franziska. Was wiederum eine mörderische Rachejagd seiner Geliebten Fatima in Gang setzt. 

Das Spiel der Figuren ist illustrierend, ins Groteske hinüberschwappend. Das Libretto beschreibt und überzeichnet das eigene Handeln der Protagonisten.
Die Musik von Christian Jost ist für ungeübte Ohren in den ersten Minuten eine Herausforderung. Josts polyphone Klänge gleichen einem Horrortrip im besten Sinn. Denn was die Musiker der Staatskapelle Halle unter der Leitung von GMD Karl-Heinz Steffens als Klangkulisse abgeben, ist eine treffsichere Untermalung der ausufernden Albträume von Franziska.
Besonders Ensembleneuling Sophie Klußmann, Radoslaw Wielgus und Susannah Haberfeld haben in "Die Arabische Nacht" ein enormes Pensum in Gesang und Spiel zu absolvieren und geben zugleich die überzeugendsten Leistungen des Abends ab.

Eine neue Reihe der Oper in Halle (Saale) ist damit ins Leben gerufen: die Nachtoper. Ob sie erfolgreich sein wird, hängt nicht nur vom gebotenen Stoff, sondern auch von Werbung im Vorfeld der Premieren ab. Von letzterer war aktuell nur wenig bis nichts zu sehen. Hohe Aufmerksamkeit und gut besuchte Vorstellungen hat "Die Arabische Nacht" in der Inszenierung von Florian Lutz jedenfalls mehr als verdient.

 

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