"Franziska Linkerhand" als Sommertheater

Bild: Gert Kiermeyer

oder Wie ein sperriger Ost-Schinken auch unterhaltend sein kann.

Halle (Saale) - 22. Juni 2009 | salikus.de

Am Freitag hatte die Inszenierung "Franziska Linkerhand" Premiere auf dem Universitätsplatz in Halle (Saale). Einige bekommen bei Nennung des Romans von Brigitte Reimann einen nostalgisch verklärten Blick, andere werden an schwülstig melancholische und endlos scheinende Lesestunden erinnert. Katka Schroth nahm sich des Buches an, schrieb eine Bühnenfassung und inszenierte diese mit dem Ensemble des Thalia Theaters auf dem Universitätsplatz in Halle (Saale).

Es sind die 60er Jahre in der DDR. Die junge Architektin Franziska Linkerhand flüchtet vor einer gescheiterten Ehe oder sucht neue Herausforderungen in Neustadt. Eine Stadt, die auf der grünen Wiese neu erfunden wird, so dachte die junge Architektin und träumte von hellen und freundlichen Wohnquartieren. Tatsächlich wurden aber graue, triste und uniforme Klötze in den Boden gestampft. Schnell erkannte die von Idealismus getriebene junge Frau, dass auch das Leben in diesen neuen Stadtteilen grau und öde war. Alkoholmissbrauch, Gewalt und Suizid ließen ihre Träume nach und nach zerbröseln.

Frech, frisch und kein bisschen oberflächlich
Und nun sollte dieser - dunkle Melancholie säuselnde – Roman als Sommertheater das Publikum unterhalten? Katka Schroth schaffte allerdings die Befreiung vom klammernden Griff der düsteren Aussichtslosigkeit, der einen aus den Seiten des Buches heraus an den Schultern packt. Ihre Inszenierung, zwischen Melanchthonianum und Juridicum am Uniplatz – zwischen neuer und alter Architektur, war alles andere als beklemmend und ließ dennoch nicht die leisen Töne von Sehnsucht und Einsamkeit aus.
Das Spiel auf der Straßenbühne, die Ralf Käselau in Planquadrate unterteilte, war rasant und immer nah am Publikum, welches stellenweise mit in das Geschehen einbezogen wurde.
Franziska Linkerhand, souverän von Melina von Gagern gespielt, wurde von Katka Schroth nicht in endlosen Monologen der Träumerei und des Selbstzweifels allein gelassen. Die schnellen Szenenwechsel, zwischen Planungsbüro, Kneipe und Wohnheim brachten im gleichen Tempo die anderen Figuren ins Spiel. So die tragisch-komische Figur der Sekretärin Gertrud, von Christina Papst fast parodierend gegeben, die sich auf ungesunde Weise dem Alkohol hingab und damit nicht nur für Lacher beim Publikum sorgte. Sie wurde zum Sinnbild des Scheiterns eines Ideals, dem Traum von einer neuen lebenswerten und bunten Stadt. Die Zerrissenheit der handelnden Personen, die im Roman ausführlich und breit beleuchtet wird, ging in dieser Inszenierung, trotz witziger Einlagen, nicht verloren. So bei dem Stadtplaner Schafheutlin, von Jan Kersjes gespielt, der sich in Franziska verliebt und sich immer wieder daran hindert ihr auch diese Liebe zu gestehen. Denn da sind noch seine Frau und seine Kinder, die in einer anderen Stadt leben. Kersjes mimte Schafheutli überzeugend linkisch und spießbürgerlich, ohne zu dick aufzutragen.
Zu reizvoll war der Regisseurin wohl der vorhandene Balkon, den sie dann auch einbezog und dort Trojanowicz (Jörg Kunze) seinen Liebesschmerz deklamieren ließ. Eine unnötige Idee und gar nicht so recht passend in das sonst offene Spiel auf der sparsam eingerichteten Bühne. Und dass der zweite Teil, des fast dreistündigen Theaterabends, etwas hastig und unkonsequent wirkte ist zwar schade, schmälert aber nicht den Gesamteindruck des Abends: ein unterhaltsamer und lohnender Theaterabend unterm Sternenhimmel. Den nächsten Inszenierungen und dem Publikum kann man nur noch ein wärmeres Wetter wünschen.

 

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