Gefeiert und verflucht: "Edgar Allan Poe" in Halle (Saale)

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Welturaufführung begeisterte das Publikum, aber nicht Eric Woolfson

Halle (Saale) - 31. August 2009 | salikus.de

Die Weltpremiere des Musicals "Edgar Allan Poe" von Eric Woolfson ging am Freitag in Halle (Saale) über die Bühne. Während das Publikum sich von Musik und Gesang hinreißen ließ, hat der Autor und Komponist sich geweigert die hallesche Oper zu betreten. Erstmals konnte man an der Premiere für neun Euro auch über einen Livestream im Internet teilhaben. SALIKUS.de verlost drei Freicodes für die Aufzeichnung der Welturaufführung vom Freitag.

Die Musical-Welt und Fans von Eric Woolfson, dem Mitbegründer von "The Alan Parson Project", fieberten seit Monaten dem Tag entgegen, an dem die Premiere von "Edgar Allan Poe" stattfinden soll. Doch während die Werbetrommel für das Musikspektakel gerührt wurde, gab es hinter den Kulissen handfesten Streit um die Inszenierung, für die der Regisseur Frank Alva Buecheler verantwortlich ist.

Streit der Kreativen sorgt für Missstimmung
Sie sind nicht neu, die Vorwürfe eines Autors an der Umsetzung seines Werkes. So auch bei Eric Woolfson, der über 40 Jahre hinweg sich mit dem Leben und dem Werk des Schriftstellers Edgar Allan Poe auseinandersetzte. Bereits 1976 veröffentlichte Woolfson, gemeinsam mit seinem Partner Alan Parson, das Album "Tales of Mystery and Imagination", eine Sammlung vertonter Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe, Artrock-Balladen für höchsten Hörgenuss. Das Leben des Kriminal- und Geistergeschichtenerzählers ließ Eric Woolfson auch die nächsten Jahrzehnte nicht los und so war es nur konsequent, dass er mit Arbeiten an dem Musical "Edgar Allan Poe" begann. Im Jubiläumsgeburtsjahr von Poe sollte es nun soweit sein und das Musical, welches das stürmische Leben von Poe erzählen soll, war fertig geschrieben und komponiert und konnte seinen Weg auf die Bühne antreten. Doch für Woolfsons Musical schien es kein gutes Omen zu geben, denn die anberaumte Premiere im Berliner Admiralspalast musste kurzfritig abgesagt werden – obwohl bereits Plakate gedruckt waren und der Vorverkauf begonnen hatte – und die Suche nach einem neuen Haus, ließ die Oper Halle als Ort der Welturaufführung auf den Plan rufen.
Doch das, was Frank Alva Buecheler da auf die Bühne brachte, entsprach nicht den Zielen, den über 40 Jahren gewachsenen Bildern, von Eric Woolfson. Er wollte die Geschichte von Edgar Allan Poe möglichst identisch erzählen und war dann auch sehr verärgert, dass Charaktere dem Stück hinzugefügt wurden, die es so im Original nicht gibt. Was der Regisseur für sich als künstlerische Freiheit verbucht, ist dem Autor ein Affront gegenüber seinem Werk. Einen Kompromiss konnten Komponist und Regisseur nicht mehr finden, so dass Eric Woolfson der Pressekonferenz am Tag der Generalprobe fern blieb. Eine offene Auseinandersetzung vor laufenden Kameras wollte der Autor und Komponist vermeiden. Auch der Welturaufführung am Freitagabend blieb Woolfson fern und ließ das Publikum in der Oper Halle vergeblich warten, dass er zum Schlussapplaus vor den Vorhang treten würde.
Hätte man diesen Streit verhindern können? Sicherlich, denn eine frühzeitige Einbindung von Eric Woolfson in die Inszenierungsarbeiten hätte dem Musical und der Oper Halle einen größeren Dienst erwiesen. Werktreue hier, künstlerische Freiheit dort. Allen Beteiligten hätte klar sein müssen, dass Eric Woolfson, der über 40 Jahre sich mit dem Leben von Edgar Allan Poe auseinandersetzt, ganz eigene Ideen und Bilder in sein Musical hineinprojiziert. Wenn dann keine zufällige Seelenverwandtschaft zwischen Regisseur und Komponist existiert, ist Streit vorprogrammiert.

Dennoch: Musik und Ensemble überzeugten
Von den Auseinandersetzungen - um Werktreue und Freiheit der Interpretation - hinter den Kulissen bekamen das Publikum am Premierenabend in Halle (Saale) und die Internetnutzer nichts mit. Während die Einen in den Sesseln der Oper Halle saßen, kämpften die Anderen mit den Tücken des Webs und verfolgten die Welturaufführung am Computermonitor. Und was sie sahen und hörten war beeindruckend. Die Handschrift Eric Woolfsons war deutlich und spürbar. Denn seine Musik ist eindringlich, erzählend und kraftvoll. Zu Recht nannte Björn Christian Kuhn, der die Titelrolle hervorragend spielte und grandios sang, am Vortag der Premiere das Musical eine Pop-Oper. Was der eine Zuhörer als Überlänge einzelner Musikstücke bezeichnete, erinnerte den anderen in angenehmster Weise an die Konzeptalben von "The Alan Parson Project" der siebziger und achtziger Jahre. Dramaturgisch durchdachte Artrock-Balladen mit Orchesterbesetzung konnten nicht spurlos am Zuschauer vorbei gehen.
Doch leider entsprach das Bühnenbild nicht dem musikalisch-dramatischen Ansatz. Zu verspielt, zu viel Fantasy-Film-Kulisse, zu grell um den Meister der Düsternis, des Verwerflichen im richtigen Licht dastehen zu lassen. Eine Kulisse, die einem Boulevard-Musical durchaus gerecht werden kann, nur kaum adäquat zur anspruchsvollen Musik Woolfsons scheint. Auch erschlossen sich dem Betrachter nicht alle Ideen, besonders der übermäßige Einsatz von Nebelmaschinen verursachte gerade in der Onlineübertragung schmerzhaftes Stirnrunzeln.
Neben Björn Christian Kuhn als Edgar Allan Poe, der seine Partien souverän spielte und brillant sang, überzeugte auch Joana-Maria Rueffer - als Mutter von Poe - mit ihrem Gesang. Elizabeth Poe, die im Stück immer wieder mal als Geist auftauchte, verstarb noch ehe Edgar drei Jahre alt werden sollte. Gesanglich und instrumental, am Dirigentenpult stand der Österreicher Volker M. Plangg, bot der Abend musikalischen Hochgenuss. Auf jeden Fall ist dieses Musical eine Empfehlung wert, für jene, die sich der Lebensgeschichte von Edgar Allan Poe musikalisch nähern wollen und für die, die sich der Musik von Eric Woolfson verbunden fühlen, die selbstverständlich der Magnet des Musical-Abends ist und die Magie des Stückes ausmacht.

Drei Frei-Codes zu gewinnen
Wer den Premierenabend verpasst hat und über einen schnellen Internetanschluss verfügt, kann auf www.mymedia-world.com, wo man am Freitag die Welturaufführung in Halle (Saale) live per Videostream verfolgen konnte, sich ab dem 3. September 2009 das Video anschauen. Hierfür muss man einen Account anlegen und dann einen Freischalt-Code erwerben. Bei entsprechender Internetverbindung ist ein gutes Bild und gute Klangqualität garantiert. Fünf Kameras und eine aufwändige Tontechnik fingen das Geschehen und die Musik auf der Bühne ein.
Wer jetzt neugierig auf das Musical von Eric Woolfson ist, kann hier einen von drei Frei-Codes gewinnen. Einfach eine Email mit dem Betreff "Edgar Allan Poe" an kontakt@salikus.de senden und am 3. September 2009 können Sie dann das Video des Premierenabends sehen, vorausgesetzt das Los fällt auf Ihre Email.
Am Donnerstag (3.9.2009) werden die Gewinner bis Mittag per Email benachrichtigt und erhalten dann auch den Freischalt-Code.

weiterführende Links:
Fotos der Premiere auf Flickr.com:
www.flickr.com/photos/buehnen-halle/
Das Video der Premiere (ab 3. September 2009):
www.mymedia-world.com

 

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