Himmelsscheibe von Nebra zurück in Halle

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Die Mona Lisa von Halle (Saale) zeigt sich wieder der Öffentlichkeit

Halle (Saale) - 23. Mai 2008 | salikus.de

Steinbeile, Fürstengräber, ein denkender Neandertaler und der Dekodierraum für die Himmelsscheibe erwarten ihre Besucher im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale). Ab 23. Mai 2008 lädt die Vorgeschichte der Menschheit zu einer spannenden Schau ein.

Dr. Bernd Zich, seit Januar 2007 Abteilungsleiter Landesmuseum beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, zeigt sich in den letzten Stunden vor der Eröffnung des Museums unaufgeregt. Alle Vorbereitungen sind abgeschlossen, die Ausstellungsstücke platziert und die Museumsmitarbeiter erwarten die Besucher.

Die Generalsanierung, die in den letzten eineinhalb Jahren stattfand, und die Umwidmung der Verwaltungsräume vergrößerte die bisherige Ausstellungsfläche um mehr als das Doppelte.

Ein Pfad durch die Vorgeschichte der Menschheit
Am Konzept der Ausstellungsmacher hat sich hingegen nichts geändert. Die Ausstellung umfasst jetzt, neben den bisher gestalteten Räumen der Alt- und Mittelsteinzeit (ca. 450.000 v. Chr. - 5.500 v. Chr.), auch die Jungsteinzeit (ca. 5500 v. Chr.) und die Besucher werden hin zur frühen Bronzezeit (ca. 1600 v. Chr.) geführt.
Bereits in Vorbereitung ist die Erweiterung der Ausstellung.
"Wir gehen in chronologischer Reihenfolge vor. Das wird zunächst also die mittlere Bronzezeit sein bis hin zur frühen Eisenzeit. Später wird dann das Fürstengrab von Gommern wird mit großer Sicherheit eines der Highlights", so der aus Norddeutschland stammende Archäologe.

Der Jahrtausendfund als Publikumsmagnet
Die Frage, ob denn nun das Original oder eine Masterkopie der Himmelscheibe von Nebra zu sehen sei, unterbrach Dr. Zich sofort: "Das ist unsere Mona Lisa und die Besucher werden selbstverständlich das Original sehen und das nur in Halle (Saale). Die Himmelsscheibe wird wohl die nächsten Jahrzehnte die Stadt nicht verlassen".
Natürlich hat man die hallesche Mona Lisa spannungsvoll in Szene gesetzt. So ist der Besucher gezwungen durch den Dekodierungsraum zu gehen, der die Geschichte und die Geheimnisse der Himmelscheibe von Nebra erzählt. Dem Besucher wird dort, neben anderen Aspekten, die Dekodierung des Kalenders und die Bedeutung eines Kalenders für die Fühbronzezeit präsentiert. Erst mit Passieren des Raums gelangt er zum eigentlichen Objekt der Begierde: die Himmelsscheibe.
Auf die Frage, ob es denn weitere neue Erkenntnisse zur Himmelscheibe gibt, antwortete der Archäologe sehr verhalten: "Wir sind in laufenden Forschungsprojekten aber die Ergebnisse kann ich natürlich nicht vorweg sagen. Aber ich kann versprechen, es kommt noch Einiges".

Die Wiedervereinigung im Landesmuseum
SALIKUS.de wollte von Dr. Zich wissen, welchem Ausstellungsstück er sein Herz, seine Leidenschaft gewidmet hat.
"Die Gesamtkomposition der Ausstellung gefällt mir schon sehr und es ist beglückend, dass man Teil eines Teams sein durfte, welches die Ausstellung realisiert hat, das möchte ich unbedingt gesagt haben. Andererseits hat man zu bestimmten Exponaten einen emotionalen Bezug und da habe ich meinen speziellen Fund. Das ist ein Hortfund, der Hortfund von Kläden bei Stendal, der vor über hundert Jahren geborgen wurde und dann auf zwei Museen aufgeteilt wurde, nämlich Berlin und Halle. Und es ist uns mit dieser Ausstellung gelungen, diesen Fund wieder zusammenzuführen."

Die Himmelsscheibe und ihre Rätsel
Der Astronom Rahlf Hansen* hat die Himmelsscheibe von Nebra (ca. 1600 vor Christus) unter den Gesichtspunkten eines Astronomen untersucht und ist davon überzeugt, dass es sich hier um den ältesten bekannten Kalender handelt. Für ihn und seinen Kollegen Prof. Schlosser** ist die Darstellung die kodierte Schaltregel für die Harmonisierung des Mondkalenders mit dem Sonnenkalender. Diese Schaltregel wurde erstmals im 5./6. Jahrhundert vor Christus schriftlich festgehalten, dem "mul-apin" – ein babylonischer Keilschrifttext.

32 Goldpunkte sind das Schaltsignal
Grundlage für die Untersuchungen durch Hansen war die Himmelsscheibe in ihrer ersten Phase, der bestechend schematischen Darstellung. Messung und Berechnung des Mondes ergaben, dass er 4,5 Tage alt sein muss. Einen weiteren Anhaltspunkt bildete die Anzahl der abgebildeten Sterne – das Siebengestirn (Plejaden) und 25 weitere Sterne, die einen reinen Zählwert zu haben scheinen.
Darüberhinaus ist aus einem babylonischen Keilschrifttext (der "mul-apin") eine Schaltregel bekannt, die den Mond- und Sonnenkalender miteinander harmonisiert.
Wenn im Frühlingsmonat, mit dem das Jahr begann, eine Neulichtsichel bei den Plejaden steht, dann ist ein Normaljahr. Steht in diesem Monat erst am dritten Tag der Mond beim Siebengestirn, er bildet dann eine dicker Sichel, muss ein Schaltmonat(29,5 Tage = Mondmonat) eingefügt werden.
Und dies geschieht aller 32 Jahre. Somit müssten die 32 Sterne auf der Himmelsscheibe als Schaltsignal gedeutet werden. Daraus leitet Rahlf Hansen folgende Regeln ab:

1. Steht eine Mondsichel mit der Dicke der abgebildeten Sichel im Frühlingsmonat neben den Plejaden, dann muss geschaltet werden.

2. Vergehen seit dem Neulicht des Vormonats (vor dem Frühlingsmonat) 32 Tage, bis der Mond im Frühlingsmonat bei den Plejaden steht, dann muss geschaltet werden.

Hinzu kommt, dass 32 Sonnenjahre 33 Mondjahre enthalten.
Die Zahl 32 hat demnach ein zentrale Bedeutung und bezieht sich nicht nur auf die zu zählenden Tage nach Neulicht, sondern auch auf die Wiederkehr des Jahres, in dem ein Schaltmonat eingefügt werden muss.

Für unsere Zeit erscheinen diese Kalenderregeln unverständlich, weil ungewohnt. Heute verläßt man sich auf elektronische Kalendarien. Aber in der damaligen Zeit war das Beobachten des Himmels alltäglich und zugleich notwendig. Und vor diesem Hintergrund ist die Handhabung der Himmelsscheibe als Kalendarium denkbar einfach. Denn hierfür bedarf es keiner komplexen mathematischen Berechnungen.

Ob der Kalender aus eigenen Beobachtungen im Raum Mitteldeutschland entstand oder auf Wissenstransfer aus dem asiatischen Raum oder Nahen Osten beruht, darüber kann man im Moment nur spekulieren, so Harald Meller***. Aber eines scheint sicher zu sein: Die Himmelsscheibe von Nebra war kein reines Kultobjekt.

Die neue Dauerausstellung im Landesmuseum Halle (Saale) ist ab 23. Mai 2008 geöffnet:
Dienstags: 9:00 - 19:30 Uhr
Miittwoch - Freitag: 9:00 - 17:00 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage: 10:00 - 18:00 Uhr
Montags nach Voranmeldung

weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten des Landesmuseums für Vorgeschichte: www.lda-lsa.de/landesmuseum_fuer_vorgeschichte/

* Rahlf Hansen
Astronom am Planetarium Hamburg

** Prof. Dr. Wolfhard Schlosser
Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Physik und Astronomie

*** Dr. Harald Meller
Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie
Sachsen-Anhalt

 

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