Maskenspiel der Politik

Sie inszenieren sich immer wieder gerne und immer wieder neu, die Politiker. an-gela.de pervertiert das Maskenspiel Macht.

Bild: Thalia Theater

Halle (Saale) - 29. September 2008 | salikus.de

Effi Rabsilber und Marold Langer-Philippsen inszenierten ein Spiegel-Kabinett der aktuellen Bundesregierung, welches durch die Bundesrepublik tourt und in Halle (Saale) Station macht.

Wer das klassische Gucklochtheater bevorzugt sei vorgewarnt, denn an-gela.de lässt die Zuschauer nicht im Dunkel auf gepolsterten Sesseln ausharren. an-gela.de ist Mitmachtheater im besten Sinn des Wortes.

Politik inszeniert sich selbst
Erste Station sollte der Hof des Thalia Theaters sein, die Ankunft von fünf Bundesministern wurde akribisch in Szene gesetzt und die Geduld des Wahlvolkes, dem Publikum, auf eine harte Probe gestellt. Denn einem Kamerateam schienen die gebotenen Bilder nicht perfekt zu sein und forderten immer und immer wieder einen neuen Versuch. Während der Zeremonienmeister Pillow, gespielt von Marold Langer-Philippsen - zugleich ein Marktschreier der Politik - nach immer wieder neuen telegenen Szenen sucht, machen sich die Bundesminister Ursula (von der Leyhen), Horst (Seehofer), Wolfgang (Tiefensee) und Thomas (de Maizière) am Wahlvolk zu schaffen. Demaskiert und trotzdem mit einer abstoßenden Freundlichkeit nahmen sie routiniert und scheinbar Kontakt zum einfachen Volk auf. Die dann das Publikum unter sich aufteilten und schließlich in Gruppen auf eine Erklärtour mitnahmen.

Gekonnt nervender Duktus und volkstümelnde Nähe
an-gela.de ist eine skurriles Spiel mit Masken realer Politiker, die den Zuschauer immer wieder zwingen in eine volkstümelnde Kommunikation einzusteigen. Die stringentesten und überzeugendsten Verkörperungen boten Conny Mews als Horst und Mille Maria Dalsgaard als Ursula an. Es kann natürlich auch an den dankbaren Vorlagen liegen. So konnte Conny Mews auf den bayrischen Dialekt des Originals Horst Seehofer zurückgreifen und Mille Maria Dalsgaard sich der fast nasalen und gedehnten Aussprache von Ursula von der Leyhen bedienen. Einige Zuschauer begannen sogar die Figuren mit einem respektvollen "Herr Seehofer" oder "Frau von der Leyhen" anzureden.
Aber die erste Hälfte von an-gela.de hat Überlängen durch unnötige Wiederholungen und das Warten auf die einzelnen Gruppen. Auch das Videoeinspiel einer Kabinettssitzung wird zu einer akustischen Kraftprobe, besonders da die gebotenen Dialoge für den weiteren Verlauf des Stücks bestimmend sind.

Diskussion statt Applaus als Belohnung
Besonders gelungen ist den Machern von an-gela.de das Hinüberführen der Inszenierung in eine organisierte aber reale Diskussion. Denn den Abschluss von an-gela.de bildet das Präsentieren von lokalen Politikern und engagierten Bürgern aus Halle (Saale). Für den Premierenabend konnten Effi Rabsilber und Marold Langer-Philippsen die Fraktionschefs aus dem halleschen Stadtrat von SPD und CDU, Johannes Krause und Bernhard Bönisch, gewinnen. Mit Constanze Stange, Gründerin eines Kindergartens, und Thomas Kupfer, Geschäftsführer der Bürgerstiftung von Halle (Saale), holten sie engagierte Vertreter der Bürgerschaft mit ins Boot.  
Effi Rabsilber sieht in einem höflichen Applaus am Ende einer Vorstellung eher ein Ritual und somit dürften und Marold Langer-Philippsen sie sich an diesem Abend ehrlicher belohnt gesehen haben. Denn das Publikum ging eine lebhafte Diskussion mit den vier angebotenen Persönlichkeiten ein, die von Beginn an, den durchaus satirischen Wandelgottesdienst durch Stationen der Macht mit bestritten.

Doch wo blieb Angela?

Auch wenn Angela Merkel nur ein kurzes Intermezzo am Ende des ersten Teils bietet und dem Theaterstück den Namen gibt, so ist sie in der Inszenierung selbst nicht wirklich präsent. Sie wird aber auch nicht vermisst. Denn das Spiel der Schauspieler mit dem Publikum und umgekehrt ist stark genug, um dem Stück eine eigene Dynamik zu verpassen.
Aber gerade die Figur Angela Merkel bot den Ideenpool für die Inszenierung von Marold Langer-Philippsen und Effi Rabsilber. Besonders die Bundeskanzlerin inszeniere ihre eigene Person, ihre eigene Biografie unter dem Ausschluss ihrer ostdeutschen Vergangenheit, so Effi Rabsilber.
an-gela.de ist ein ambitioniertes Politspektakel, dass in einer Diskussion gipfelt, die nicht nur den sogenannten Politpromis eine Überprüfung ihrer eigenen Glaubhaftigkeit aufzwingt.

Die nächsten Aufführungen sind am 2., 6. und 7. Oktober zu erleben. Für den 6. Oktober schafften es die Theaterleute den Bundestagsabgeordneten Gregor Gysi zu gewinnen.

Mehr Informationen zum Theaterprojekt an-gela.de gibt es, wen wundert es, auch im Internet unter: www.an-gela.de.

 

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