1,5 Millionen Euro für eine Insel

Bild: Thomas Schult

Nutzungskonzept für die Peißnitz in Halle (Saale)

Halle (Saale) - 03. September 2008 | salikus.de

Die Stadtverwaltung von Halle (Saale) hat ein Konzept für die zukünftige Nutzung des bedeutendsten Naherholungsgebietes der Stadt erstellt. Naturschutz, Landschaftspflege und Bürgerwille soll unter einen Hut gebracht werden.

Eine Bürgerumfrage aus dem Jahr 2005 ergab, dass die Peißnitz einer der wichtigsten Grün- und Naherholungsräume in Halle (Saale) ist. Trotzdem – oder gerade deswegen – birgt die Nutzung der Peißnitz ein enormes Konfliktpotential.
Der Wunsch nach attraktiven Veranstaltungen auf der Freilichtbühne steht dem Verlangen nach Ruhe und Erholung der Anlieger gegenüber. Die immer stärkere Nutzung der Parkanlagen stößt auf Widerstand bei Naturschützern.
Der prominenteste Konflikt war die Auseinandersetzung zum Lärmschutz bei den Turn Table Days von MDR Sputnik, dieser gipfelte sogar in einem Gerichtsprozess.

Verschiedene Interessen, ein Konzept
Durch klare Regelungen für die Durchführung von Veranstaltungen auf der Peißnitz, hier besonders die Freilichtbühne, soll die einhergehende Lärmbelästigung für die Anwohner weitgehend überschaubarer und erträglicher machen.
Geplant ist eine feste begrenzte Anzahl von Open-Air-Veranstaltungen, die vorzugsweise am Wochenende und mit einem Abstand von 14 Tagen stattfinden sollen. Für diese sollen dann Lärmpegelgrenzen tags von 70 dB und nachts von 55 dB gelten. Veranstaltungen an Wochentagen sollen dann nur mit niedrigeren Lärmpegeln genehmigt werden.
Gleichzeitig ist aber eine Erweiterung der Fläche vor der Freilichtbühne angedacht. Durch Schotterrasen und Erweiterung der gepflasterten Fläche soll das Gelände zukünftig mehr Verkaufsstände und Publikum fassen.

Eine zweite Autobrücke für die Peißnitz
Im Konzept der Stadtverwaltung ist vorgesehen, die alte und sehr marode Fußgängerbrücke zwischen Eissporthalle und Freilichtbühne durch eine neue Brücke zu ersetzen, die auch von Autos genutzt werden kann. Hier geht der Beigeordnete für Planen, Bauen und Umwelt, Dr. Thomas Pohlack, von einem Investitonsvolumen über 500.000 Euro aus. Sollte der Bau einer Autobrücke vom Stadtrat genehmigt werden, wäre eine der Forderungen des potentiellen Investors für das Peißnitzhaus erfüllt.
Darüber hinaus beabsichtigt Pohlack die Abwasserentsorgung auf der Peißnitz (Tennisplätze, Gastronomie, Peißnitzhaus, Planetarium) an das öffentliche Netz anzuschließen. Damit würde sich ebenfalls eine der Hauptforderungen des Wunschinvestors von Pohlack und Oberbürgermeisterin Szabados erfüllen.

Baschkirischer Spielplatz soll Naturschutz weichen
Der beliebte Spielplatz hinter dem Peißnitzhaus soll den Interessen der Naturschützer Platz machen. Vorgesehen ist eine Verlegung, damit sich ein Gehölzband am Westufer hin zum Naturschutzgebiet Nordspitze entwickeln könne. Eine Entscheidung über den endgültigen Ausweichort für den Baschkirischen Spielplatz steht noch aus. Das kann Heike Wießner (CDU-Stadträtin) nicht hinnehmen und will im Jugendhilfeausschuß durch einen entsprechenden Antrag eine Standortentscheidung einfordern. „Aus meiner Sicht sollte vor Beschlussfassung festgelegt werden, wo konkret der Baschkirische Spielplatz wiederaufgebaut wird, damit er nicht in Vergessenheit gerät“, so die Stadträtin in ihrer Begründung.

Investitionen in Millionenhöhe
Sollte sich Pohlack mit seinem Konzept und den einzelnen geplanten Maßnahmen durchsetzen, müsste die Stadt Halle (Saale) für Entwässerung (270.000 €), Landschaftspflegemaßnahmen (140.000 €), Wegebaumaßnahmen /Ausstattung (450.000 €), Bühne (130.000 € ) und Brücke (500.000 € ) rund 1,5 Millionen Euro aufbringen. Und das ist, angesichts leerer Kassen und der bedrohlichen Haushaltssituation, für viele Stadträte ein schwere Kost.


Am Rande
Geschichte der Peißnitz
1887 wurde das Gelände der Peißnitzinsel einschließlich des Gutes Gimritz durch die Stadt Halle (Saale) erworben. 1892/93 ließ die Stadt das repräsentative Restaurationsgebäude (Peißnitzhaus),1899 die Peisnitzbrücke errichten. Es wurden Wege angelegt und die Insel zunehmend für die Naherholung genutzt. Die damals als „Nachtigalleninsel“ bezeichnete Insel wurde insbesondere im 19. Jahrhundert unter den Studenten ein beliebtes Ausflugsziel. 1909 wurden die Tennisplätze errichtet, diese zählen damit zu den ältesten Tennisplätzen im Stadtgebiet von Halle (Saale).
Anlässlich der Arbeiterfestspiele 1967 erfolgte eine für diese Zeit aufwändige und beispielhafte Gestaltung als Kulturpark mit Pioniereisenbahn, Freilichtbühne, Minigolfanlage, Balkenkegeln, Schach, Märchenhaus und vielen anderen Angeboten. Neben der Parkeisenbahn ist lediglich noch die Freilichtbühne aus der Umgestaltung von 1967 erhalten. Mit dem Bau des Planetariums im Jahr 1978 wurde die Insel mit einer Bildungseinrichtung ergänzt, die bis heute eine hohe Wertschätzung auch über die Grenzen von Halle (Saale) hinaus genießt und häufig aufgesucht wird.
Quelle: Leitbild zur Umgestaltung der Peißnitz

 

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