Kindstötung als Familienplanung

Bild: Staatskanzlei/T. Keller

Ministerpräsident Böhmer löst Sturm der Entrüstung aus

Halle (Saale) - 26. Februar 2008 | salikus.de

Lokalpolitiker aus Halle beziehen Stellung.
Der ehemalige Gynäkologe und heutige Ministerpräsident von Sachsen-Anahlt erklärte in einem FOCUS-Interview, dass Kindstötung in Ostdeutschland auch Ursache der Abtreibungspraxis in der ehemaligen DDR sei.

Prof. Böhmer hatte dem FOCUS gesagt, er erkläre sich die vielen Kindestötungen im Osten "vor allem mit einer leichtfertigeren Einstellung zu werdendem Leben in den neuen Ländern" und löste damit einen Sturm der Empörung aus.
Persönlichkeiten aus der Bundespolitik kritisierten Böhmers Aussage als oberflächlich und instinktlos. So sprach Fraktionsvize Gesine Lötzsch der Linkspartei im Bundestag gegenüber der Frankfurter Rundschau von einer "völlig absurden Position". Aber auch aus den eigenen Reihen kommt Kritik. Markus Kurze - Sozialexperte der CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt - sagte der Mitteldeutschen Zeitung: "Solch einer pauschalen Aussage muss widersprochen werden."

Politiker aus Halle beziehen Position
SALIKUS.de fragte einige lokale Politiker, wie sie die Äußerungen von Böhmer einschätzen.
Sabine Wolff – für das NEUE FORUM im halleschen Stadtrat:
"Ich frage mich ob unser Ministerpräsident wirklich langsam altersdement wird oder einfach nur frauenfeindlich ist, denn Frauen die heute ihre Babys töten sind erstens entweder ganz früh oder gar nicht in der DDR geboren wurden. Bei Schlagzeilen die wieder von einer Kindstötung berichten, umtreibt mich eher die Frage: warum Hilfsangebote, wie Beratungen oder eben die Babyklappe nicht angenommen werden".

Thomas Felke - für die SPD im Landtag und im halleschen Stadtrat - aüßerte sich SALIKUS.de gegenüber:
"Ich halte die Äußerungen von Ministerpräsident Böhmer, dass Kindstötungen für manche ein Mittel der Familienplanung seien, für ungeheuerlich. Unhaltbar ist meiner Meinung nach auch, dieses Problem auf das DDR-Erbe zurückzuführen. Viel mehr dürften die Ursachen in unsicheren Lebensverhältnissen und Zukunftsängsten liegen."

Tom Wolter - Vater von 6 Kindern und für die MitBürger im halleschen Stadtrat - sprach von einer "fatalistischen " Äußerung, sie sei "unnötig und daher dumm". Vielmehr fragt sich Wolter, "was Prof. Böhmer damit beabsichtigt, oder ob er überhaupt etwas damit beabsichtigt".

Fürsorgesystem - "den Zuständen hinterherhinkend"
Vor dem Hintergrund der steigenden Armutszahlen muss auch das aktuelle Fürsorgesystem genauer betrachtet werden. Experten machen aber auch deutlich, dass es in Ostdeutschland deutlich mehr Familien mit sozialen Problemen gibt als in den alten Bundesländern. Und Kindstötungen aus einer Notlage heraus sind kein Phänomen unserer Zeit.
Thomas Felke gegen über SALIKUS.de: "Kindstötungen werden leider nicht völlig zu verhindern sein. Dauerhafte Aufgabe der Politik muss es aber sein, durch eine konsequente Familienpolitik an den Ursachen zu arbeiten."
Sabine Wolff wird hier etwas konkreter: "Vielleicht ist dieses System aus Beratung nicht ausreichend. Vielleicht sollte man vielmehr an Schulen über präventive Maßnahmen nachdenken."
Tom Wolter sieht im aktuellen Fürsorgesystem "ein reagierendes System, zwar mit dem Vorhaben der Vorsorge und Aufklärung aber immer den Zuständen hinterherhinkend". Nur ein intaktes privates Umfeld könne "extreme Situationen abmildern und solche Taten schwer realisieren lassen".

 

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