Aufbruch statt Abbruch in Halle (Saale)

Bild: Thomas Schult

Kulturinitiative für Sachsen-Anhalt geht an den Start

Halle (Saale) - 14. Oktober 2008 | salikus.de

Am Montag, 13. Oktober 2008, trafen sich - nach dem 1. Sinfoniekonzert der Staatskapelle Halle in der neuen Konzertsaison – Publikum und Orchester im Foyer der Georg-Friedrich-Händel-Halle und sprachen über die bedrohlichen Sparpläne von Halle (Saale) und Sachsen-Anhalt.

Der Freundeskreis der Staatskapelle Halle lud am Montagabend zu einem Podiumsgespräch zum Thema Zukunft der Staatskapelle Halle ein. Eine Einladung ging auch an sämtliche Mitglieder des Kulturausschusses der Stadt Halle (Saale), doch unter den Zuschauern waren lediglich die Stadträtin Sabine Wolff (Neues Forum) und Stadtrat Rudenz Schramm (Die Linke) zu finden.

Karl-Heinz Steffens, der Generalmusikdirektor der Staatskapelle Halle und Dirigent des abendlichen Sinfoniekonzerts, wollte aber erst einmal über die aufgeführten Werke von Brahms und Schönberg, ihre Bedeutung und künstlerischen Herausforderungen sprechen. Dabei sparte er nicht mit Komplimenten an die Musiker des Orchesters und Gothard Voß sah sich in seiner Absicht bestärkt, endlich die Themen des geplanten Stellenabbaus und der Finanzierung des Orchesters anzusprechen.

Hoffen auf Einsicht
Gothard Voß knüpte auch bei seiner nächsten Frage an das vorangegangene Konzert an und wollte von Steffens wissen, mit welchen Erwartungen - so der Titel des gespielten Werkes von Arnold Schönberg - und Visonen er die Aufgaben eines Generalmusikdirektors übernommen habe und ob seine Hoffnungen - der aktuellen Sparpläne wegen – gefährdet seien.
An diesem Abend konnte der Zuschauer den Eindruck gewinnen, dass Steffens das heiße Eisen Kultur GmbH und die Zukunft des Orchesters nur ungern in der Öffentlichkeit ansprechen wolle.
Doch nach vorsichtigen Umschreibungen, wie er sich ein Orchester vorstellt und welche Herausforderungen die Staatskapelle aus künstlerischer Sicht zu meistern hat, fand er dann doch deutlichere Worte als am Ende des Sonderkonzerts mit Daniel Barenboim. So sei für ihn das Orchester ein Organ, welchem ein gefährlicher Einschnitt drohe, der wiederum tödlich sein könne. Deshalb setze er auf Gespräche mit den Verantwortlichen aus Politik, Stadtverwaltung und Landesregierung. Er hoffe auch, dass die Gesprächsbereitschaft auf beiden Seiten erhalten bleibt.
Neben der Konzerttätigkeit sieht er die musische Ausbildung der jungen Generation als Aufgabe professioneller Musiker an. Er selbst würde heute nicht hier sein, wenn er nicht von einem professionellen Musiker ausgebildet worden wäre. Es sei eine lange Tradition, dass Orchestermusiker auch den Nachwuchs ausbilden und den Weg einer Profilaufbahn ebenen. Deshalb sei das Verbot, Musiker der Staatskapelle dürfen keinen Unterricht geben, absurd.

Existenz des Händelfestspielorchesters bedroht?
Seiner Empörung machte Hannes Schmidt, Direktor der Staatskapelle Halle, Platz. Grund sei die Frage der Stadträtin Annegret Bergner, die sich erst jetzt und in der Presse nach den möglichen Konsequenzen erkundigt, die eine Reduzierung der Orchesterstärke mit sich bringen könne. Dies sei eine Frage, die man schon längst hätte stellen müssen und er auch um keine Antwort verlegen gewesen wäre. Prompt macht Schmidt einen Ausflug in die Vergangenheit und erläutert die Umstände der Fusionierung von Opernhausorchester und Philharmonie. So habe man damals, gemeinsam mit den Orchestervorständen, lange zusammen gesessen und gerechnet, wie man die Forderung nach Personalabbau bewerkstelligen könne, ohne die bisherigen Aufgaben der beiden Orchester zu gefährden. Doch was jetzt an Forderungen in Form von Gerüchten bekannt geworden ist, sei von Ahnungslosigkeit geprägt. Denn eine Reduzierung der Orchesterstärke auf ca. 100 Musiker würde bedeuten, dass es ein  Händelfestspielorchester in Zukunft nicht mehr geben wird. Damit ginge auch eine Identität, ein Alleinstellungsmerkmal der Staatskapelle verloren.
Schmidt machte deutlich, dass er zwar den Zwang zum Sparen erkenne aber es dürfen dabei keine Strukturen zerstört werden.

Im Staccato durch die Kulturlandschaft
Gothard Voß, der den Abend in der Händelhalle moderierte, sah mit den Statements von Steffens und Schmidt die Veranstaltung des Freundeskreises als beendet an und machte die Rechnung ohne Wolfgang Fritz auf. Im Schnelldurchlauf zeichnete der Klarinettist das Bröckeln der Kultur, der Orchesterlandschaft in Sachsen-Anhalt. Stendal hat keine Orchester mehr, Nordhausen nur noch ein Schrumpforchester und Zeitz ist abgewickelt. Statt dessen würde man 400 Milliarden zur Rettung von zockenden Banken einsetzen, während die 1,5 Millionen Euro zum Erhalt der Staatskapelle Halle in Frage gestellt werden.
In Sachsen-Anhalt habe jedes 25. Kind eine musische Ausbildung, während es in Bayern jedes 2. Kind sei. Man habe ein Publikum von 40 bis scheintot aber keine Nachwuchspflege.
Deshalb werde sich jetzt eine Kulturinitiative für Sachsen-Anhalt gründen und Fritz rief alle Interessierten auf, sich an dieser zu beteiligen. Es solle kein Verein werden, man wolle sich hier an das erfolgreiche Konzept in Thüringen halten und quasi einen Runden Tisch für die Kultur bilden. Andreas Hillger, Kulturredakteur der Mitteldeutschen Zeitung, habe bereits eine Liste von Persönlichkeiten zusammengestellt, die man jetzt ansprechen wolle.
Wolfgang Fritz will die Kulturinitiative nicht als Gegenspieler der Politik verstanden wissen. Man wolle an die Tradition der Runden Tische anknüpfen und gemeinsam nach Wegen suchen, wie man die Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt pflegen und ausbauen könne.
Seine energischen Worte fanden unter den Zuhörern und im Podium großen Beifall.

 

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