Das Dekameron - Ränke und Liebeshändel

Bild:

Sommertheater auf der Oberburg der Burg Giebichenstein in Halle (Saale)

Halle (Saale) - 05. August 2009 | salikus.de

Das Dekameron, eine Bühnenfassung von Simon van Parys nach Giovanni Boccaccio, feierte am Donnerstag Premiere auf der Oberburg der Burg Giebichenstein in Halle (Saale). Episoden von Fleischeslust, listigen Weibern und einfältigen Ehemännern gaben dem Sommerabend eine amouröse und zugleich derb-würzige Note.

Was im Werk von Giovanni Boccaccio auf 10 Tage und jeweils 10 Geschichten angelegt ist, hat Simon van Parys zu Recht auf eine Essenz von wenigen Geschichten reduziert. Und trotzdem kam am Ende immer noch zweieinhalb Stunden theatralisches Vergnügen heraus.
Die Geschichte ist recht einfach erzählt. Fünf junge Leute - drei Frauen und zwei Männer - fliehen aus Florenz vor dem Schwarzen Tod, der Pest - auf einen Landsitz. Dort wollen sie all das erlebte Elend aus den Köpfen vertreiben und erzählen sich Geschichten, die zunehmend auch von ihnen Besitz ergreifen und das Gefüge der Gruppe immer wieder neu ordnet, bis hin zur Auflösung der Gemeinschaft.

Blut war der Anfang
Zu Beginn ließ Regisseur Simon van Parys fünf in Rot gehüllte Gestalten an den Zuschauern vorbei ziehen, die verkündeten: Blut war der Anfang. Blut war das Ende. Eine gruselig hingehauchte Ohnmacht gegenüber der Pestilenz, die dennoch den einen oder anderen Premierenbesucher zum Kichern verleitete. Wie dem auch sei, Simon van Parys hielt sich nicht lange am Vorspiel auf und ging ohne große Überleitung zum eigentlichen Spiel über.
Emilia (Juliane Gregori) und Fiammetta (Astrid Kohlhoff) betraten die Szene und schnell wurde klar, dass Emilia den Alpha-Status anstrebte, für sich beanspruchte. Das Erinnern an Siechtum und Tod untersagte sie, ließ es einfach nicht zu. Stattdessen sollten Geschichten von Liebenden erzählt werden.
Und die drei Frauen und zwei Männer mussten eine vom Erzähler zugewiesene Rolle übernehmen.

Gehörnte Ehemänner und lüsterne Weiber
Was folgte war ein intelligenter und humorvoll erzählter Reigen an amourösen Abenteuern. Da verabreichte ein Geistlicher (Mario Pinkowski) einem eifersüchtigen Ehemann (Thomas Zug) ein geheimnisvolles Pulver und ließ ihn für tot begraben. Während der Kirchenmann sich mit der Scheinwitwe vergnügte, ließ er den Mann aus dem Grab holen und in einen dunklen Keller sperren. Erst als ihm die Gespielin von der Schwangerschaft erzählte, holte er den Ehemann wieder zurück ins Leben.
Oder die grausame Geschichte über Fürst Salerno, deren Tochter (Anna von Schrottenberg) sich in einen Diener verliebte. Als der Fürst davon erfuhr, tötet er den jungen Mann und schickte dessen Herz zu seiner Tochter. Die daraufhin sich das Leben nahm.

Blut war das Ende
Die Ebenen, in denen die Schauspieler agierten, verschwammen zunehmend. Deren Freude am Spiel der einzelnen Geschichten sprang ohnehin schnell auf das Publikum über. Spätestens am letzten Tag, als es um einen Gelehrten ging, der sich in eine Witwe verliebte und von dieser verhöhnt wurde, war klar: es wird nicht nur erzählt, die Geschichten ergreifen zunehmend Besitz von den einzelnen Figuren. Auf einal war alles kein Spiel mehr, denn die Rache des Ranieri (Mario Pinkowski) an Helena (Juliane Gregori) geriet außer Kontrolle und das Spiel der beiden Darsteller war derart überzeugend, dass man sich wünschte, Ranieri möge verzeihen können.
Eine geistreiche und von feinem Witz durchzogene Inszenierung, die von einer bestechenden schauspielerischen Spannkraft der Akteure lebte, nahm damit ihr Ende.
Die überzeugendste Leistung des Abends lieferte Juliane Gregori ab, deren Emilia mal erschreckend herrisch, dann kindlich verwundert oder liebestöricht und voll beleidigenden Hohns am Ende war. Dieser Emilia möchte man im wahren Leben nicht begegnen.

Wer gut erzähltes Sommertheater auf der Burg Giebichenstein in Halle (Saale) erleben will hat noch Gelegenheit dazu. Simon van Parys und sein Ensemble spielen „Das Dekameron“ noch bis zum 14. August 2009.

Die Termine:
jeweils 20:30 Uhr
Mittwoch, 5. August 2009
Donnerstag, 6. August 2009
Freitag, 7. August 2009
Samstag, 8. August 2009
Sonntag, 9. August 2009
Mittwoch, 12. August 2009
Donnerstag, 13. August 2009
Freitag, 14. August 2009

Ort: Oberburg der Burg Giebichenstein in Halle (Saale), Seebener Straße


 

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