Das Straucheln der Glücksgöttin

Bild: Thomas Schult

Willi-Sitte-Ausstellung am Sonntag in Halle (Saale) eröffnet

Halle (Saale) - 31. März 2008 | salikus.de

Frühe Zeichnungen des Malers Willi Sitte sind ab 1. April 2008 in der Bernburger Straße, im Kunstforum der Saalesparkasse, zu sehen. Den Besuchern der Ausstellungseröffnung blieb das ruhige Betrachten der Zeichnungen versagt: über 200 Besucher kamen zur Vernissage am Sonntag in die ehemaligen Räume der Sparkasse.

Endlich hat er sie, seine Ausstellung, in seiner Stadt: Halle (Saale). Willi Sitte, der personifizierte Streit wenn es um DDR-Geschichte geht - ein Künstler, der mit seinen Bildern polarisierte. Seine barocken und expressiven Darstellungen brachten ihm den Spruch „lieber vom Leben gezeichnet, als von Sitte gemalt“ ein. Wobei immer die Mischung aus politischer Künstler und SED-Funktionär zum Tragen kam, denn die Kritik an seinen Bildern war oft verbunden, mit Kritik an seiner 14-jährigen Funktion als Vorsitzender des Verbandes der Bildenden Künstler in der ehemaligen DDR und seiner aktiven politischen Arbeit in der SED.
Willi Sitte, 1921 in Nordböhmen geboren, kam über das Zeichnen von Textilmustern an die „Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei“. Dort begann er 1940 sein Studium der Malerei, wurde jedoch im Folgejahr - wegen Kritik an den Aufgaben der Schule - zur Wehrmacht eingezogen. In Italien 1944 dessertierte er und schloss sich den dortigen Partisanen an. 1947 fand Willi Sitte in Halle (Saale) seine neue Heimat und blieb der Stadt bis heute treu.
An der Burg Giebichenstein, Hochschule für Industrielle Formgestaltung, leitete er von 1975 – 1987 die Sektion der Bildenden Kunst, machte sich aber auch für die Textilkunst stark und etablierte, gemeinsam mit Frau Prof. Glauche, die Hochwebkunst neu.

Exkurs durch die europäische Geschichte
Der Kunsthistoriker, Prof. Dr. Heinz Schönemann, und ehemalige langjährige Konservator der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, hielt die Eröffnungsrede. Sie war ein Ausflug durch die Geschichte des letzten Jahrhunderts. Von Künstlern, die sich den Nationalsozialisten anbiederten, die sich im Dunst eines Görings sonnten. Von Albert Speer, den heute einige Leute gerne mit Schinkel gleichgesetzt wissen wollen. Von Picasso, der deutliche Bilder fand und auf Papier brachte, als der Koreakrieg ausbrach. Gerade Picasso habe den Maler und politisch denkenden Menschen Willi Sitte immer wieder beschäftigt und beeinflusst.
Von Richtungskämpfen in der Kunst, die es nicht nur in der DDR gab, sie wurden oft nur mit anderen Mitteln ausgetragen, als im restlichen Europa.
Zur Wende, zur öffentlichen Abrechnung mit Willi Sitte, dem Funktionär der SED, hatte der Kunsthistoriker nichts zu sagen. Statt dessen fand er Worte zur „hoch gespülten Mittelmäßigkeit“ von „mittelmäßigen Zeitgenossen“ in den neunziger Jahren.

„Ich zeichne, also bin ich“
Der Titel der Ausstellung „Ich zeichne also bin ich“, kommt nicht von ungefähr. Willi Sitte berichtete gleich von einem Telefonanruf im Vorfeld der Vorbereitungen zur Ausstellung. Da wollte jemand wissen, ob es denn auch Bilder zu sehen gäbe. Sitte erklärte dem Anrufer, dass es sich um eine Ausstellung von frühen Zeichnungen handele. Daraufhin vermeldete der Anrufer, dass man die Ausstellung nicht besuchen werde wenn es keine Bilder zu sehen gibt. Willi Sitte zeigte sich der Reaktion wegen erstaunt und betonte in seiner Ansprache, dass das Zeichnen das Wesentliche sei. Erst dann könne Malerei entstehen und diese auch nur, wenn man das Zeichnen beherrscht. Deutlich lehnt er es noch heute ab, dass man das Erlernen der Zeichenkunst überspringt um direkt zur Malerei zu gelangen.

Das Nürnberger Trauma
Gerührt bedankte der Maler sich beim Kunstforum Halle, einer Stiftung der Saalesparkasse. Besonders aber bei den Helfern, die in den letzten Stunden der Vorbereitung ihm die Angst nahmen, dass die Eröffnung der Schau verschoben werden müsse. Ohne Nürnberg zu nennen, damals wurde die Ausstellung zum 80. Geburtstag von Sitte abgesagt, sprach er von der Möglichkeit, dass auch diese Ausstellung noch nicht wirklich geöffnet ist und ein frühes Ende noch möglich wäre. Sitte wollte dieses düstere Bild der Erinnerung aber nicht weiter zeichnen und bedankte sich bei den anwesenden Gästen, dass sie so zahlreich erschienen sind. Denn dieses große Interesse hätte er nicht erwartet. Er sah sich schon im kleinen Kreis mit Freunden, um die Eröffnung der Ausstellung zu feiern.
Während der Applaus für die einführenden Worte von Heinz Schöneman geteilt und verhalten war, gab es für den Maler und seine Worte herzlichen und respektvollen Beifall.


Die Schau „Ich zeichne, also bin ich“ ist noch bis zum 29. Juni 2008 zu sehen: Dienstag bis Freitag von 14:00 -19:00 Uhr und Samstag, Sonntag/Feiertage von 11:00 -17:00 Uhr.
Adresse: Bernburger Straße 8 in 06108 Halle (Saale).


Internetadresse des Kunstforum Halle: www.kunstforum-halle.de

Mehr Informationen und weiterführende Links zu Leben und Werk von Willi Sitte auf Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Willi_Sitte

 

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