Ein Meisterkonzert mit zwei Takten Protest

Bild: Thomas Schult

Daniel Barenboim begeisterte mit Beethoven und Chopin in Halle (Saale)

Halle (Saale) - 05. Oktober 2008 | salikus.de

Das Sonderkonzert der Staatskapelle Halle zum Tag der Deutschen Einheit bot nicht nur ein hochkarätiges Hörerlebnis, sondern auch die Mahnung zum Erhalt des Klangkörpers, der an diesem Tag sein Auftaktkonzert gab und mit Daniel Barenboim einen spannenden Start in die Konzertsaison 2008/2009 bot.

Der neue Generalmusikdirektor der Staatskapelle Halle, Karl-Heinz Steffens, holte mit Daniel Barenboim einen Pianisten der Extraklasse nach Halle (Saale) und damit viele Hallenser und Saalekreisler in die ausverkaufte Händelhalle am Salzgrafenplatz.

Flugblätter für den Fortbestand des A-Orchesters
Schon lange schwebte die Frage im Raum, wann und ob sich überhaupt Widerstand gegen die Kürzungspläne aus dem Rathaus der Stadt Halle (Saale) formiert. Zum Tag der Deutschen Einheit kam nun auch die Antwort. Denn die Besucher des Sonderkonzerts wurden gleich am Eingang der Georg-Friedrich-Händel-Halle mit dem aktuellen politischen Tauziehen um die Finanzierung der Staatskapelle Halle konfrontiert. Der Freundeskreis der Staatskapelle verteilte Flugblätter, auf denen zu Protestaktionen aufgerufen wird und lieferte gleich die Adressen der Oberbürgermeisterin von Halle (Saale) und des Kultusministers von Sachsen-Anhalt mit, damit der Protest des Einzelnen auch die politisch Verantwortlichen erreicht. Der Freundeskreis hatte aber auch im Foyer der Händelhalle Unterschriftenlisten ausgelegt, in die sich die Besucher eintragen konnten und sie machten eifrig Gebrauch von dieser Möglichkeit. Gotthard Voß, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft der Freunde der Staatskapelle Halle e.V. kündigte an, dass die Unterschriftenaktion bei den kommenden Sinfoniekonzerten fortgesetzt werde, denn er und seine Mitstreiter sehen in den Streichungsplänen des Rathauses und des Kultusministeriums eine Bedrohung für das Orchester und seinen künstlerischen Aufgaben.

Der Meister und zwei mal Moll
Mit den Gedanken um die unsichere Zukunft der Staatskapelle Halle in ein Konzert zu gehen sorgt nicht wirklich für einen entspannten Konzertgenuss. Doch der Dirigent Karl-Heinz Steffens startete mit der fulminanten Egmont Ouvertüre und das Orchester riss das Publikum mit und erntete für diesen Einstieg begeisterten Applaus.
Oder war es die Vorfreude des Publikums auf den Meister? Der schließlich mit Beethovens einzigen Klavierkonzert in Moll, das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3, die Zuhörer mitriss.
Den Höhepunkt bildete aber das 2. Klavierkonzert in f-Moll von Frédéric Chopin. Chopin war erst 19 Jahre alt, als er die Komposition abschloss und stand unter dem Eindruck seiner ersten großen Liebe, einer Opernsängerin. Was ihn aber später nicht daran hinderte, das Klavierkonzert einer späteren weiteren Liebe zu widmen, abermals eine Opernsängerin.
Die Komposition ist brillant und virtuos, sie ist lyrisch und dramatisch und das Spiel von Daniel Barenboim verdiente die gleichen Attribute. Er lieferte einen eleganten und frischen Solopart ab. An welche Liebe mag wohl Barenboim gedacht haben, denn Routine war nicht zu hören und nicht zu spüren. Der Chefdirigent von der Staatsoper Berlin erntete für sein Spiel am Flügel langen und stehenden Applaus.

Politik im Konzertsaal
Überraschend nahm am Ende des Konzerts Karl-Heinz Steffens das Mikrofon in die Hand und richtete ein paar Wort an das Publikum, unter ihm befanden sich auch einige Stadträte und die SPD-Oberbürgermeisterin der Stadt Halle (Saale), Dagmar Szabados. Steffens sprach von der Bedeutung des Orchester und seinen Aufgaben im Land Sachsen-Anhalt und in der Saalestadt, hielt sich aber mit offener Kritik zurück. Er machte jedoch deutlich, dass aus seiner Sicht, die bisherige künstlerische Qualität und Bandbreite der Staatskapelle gefährdet ist, wenn die Stärke des Klangkörpers drastisch reduziert werde.
Daniel Barenboim liegt die Zukunft des Orchesters offensichtlich ebenfalls am Herzen und schloss sich den Worten des Dirigenten an. Er erinnerte an die Probleme die es in Berlin mit dem Orchester der Staatsoper gab, die genau wie in Halle (Saale) aus der finanziellen Not entstanden seien. In den Proben zum Sonderkonzert habe er die Staatskapelle schätzen und seinen künstlerischen Reichtum kennen gelernt.
Die Ansprachen von Steffens und Barenboim wurden mit einem trotzigen Applaus erwidert und zeigen, mit welcher Stimmung die Musiker der Staatskapelle aktuell zu kämpfen haben.
Welche Folgen diese ganz offensichtlich geplanten Ansprachen haben werden muss man jetzt abwarten. Zumindest gab es schon einmal Abmahnungen gegen Orchestermitglieder, da sie in aller Öffentlichkeit gegen Entscheidungen der Stadtverwaltung protestierten. Steffens dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Montag eine 'Einladung' zum Gespräch im Büro der Oberbürgermeisterin erhalten.

 

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