Eine kraftlose Jeanne d'Arc in Halle (Saale)

Die Inszenierung von Friedrich Schillers "Die Jungfrau von Orleans" am neuen theater in Halle (Saale) stand von Anfang an unter keinem guten Stern.

Bild: Gert Kiermeyer

Schillers "Jungfrau von Orleans" am neuen theater

Halle (Saale) - 02. Mai 2009 | salikus.de

Unter bösen Vorzeichen schien sie zu stehen, die Inszenierung der „Jungfrau von Orleans“ auf der Kulturinsel in Halle (Saale). Krankheitsfälle im Ensemble, wohl auch beim ursprünglich eingesetzten Regisseur, zwangen zur zweimaligen Verschiebung der Premiere. Am Ende sah sich die Theaterleitung auch noch zum Austausch des Regisseurs und zu Umbesetzungen der Rollen gezwungen.

Nur wenige Tage hatte Frieder Venus Zeit, nach dem er die Regie von Wolf Bunge übernahm, um eine premierenreife Inszenierung von Friedrich Schillers „Die Jungfrau von Orleans“ auf die Beine zu stellen.
Der Vorstellungsbeginn war dann doch viel versprechend. Von kraftvoller und dramatischer Musik unterlegt trat Johanna, gespielt von Marie Bretschneider, durch ein hohes Kreuz, welches als Öffnung in die Bühnenrückwand eingelassen ist, auf die komplett rote Bühne. Zwischen den Fronten stehend, Venus platzierte die Engländer und die Franzosen rechts und links von ihr, zuckte Johanna verwirrt und erschaudernd. Sie empfing offensichtlich die Botschaft, dass sie als Jungfrau in den Krieg ziehen und den Franzosen zum Sieg verhelfen solle. Dieser dramatische Moment zum Auftakt der Inszenierung sollte dann auch der einzige des Abends gewesen sein.
Was folgte war die wenig überzeugende Figur des Vaters von Johanna, der sich wohl über den Geisteszustand seiner Tochter Sorgen machen sollte und doch nur - fast gleichgültig - vor sich hin zitierte.
Mit Reinhard Straube, der den Bertrand mimte, gab es dann Momente der Anrührung, da er mit Witz und liebevoller Großzügigkeit Johanna verteidigte. Straubes Spiel erinnerte in Gestus und Aussprache manchmal an den großen österreichischen Volksschauspieler Hans Moser.
Aber wo war die Enttäuschung, die Verzweiflung von Karl dem Siebten, der gerade eine Schlacht verloren hatte und es leid ist Krieg gegen seine eigene Mutter zu führen? Und wo waren das Erstaunen und die Erleichterung, dass eine Jungfrau das blutige Gemetzel doch noch zu seinen Gunsten entschied?
Einzig dem Bischoff, von Hilmar Eichhorn gespielt, war anzusehen, dass da etwas Unerhörtes geschehen ist und er dieser Nachricht nicht traute, gar Angst zeigte, als er Johanna gegenüber trat.
Alle sprachen viel von Verrat, Verzweiflung, Hass und Entzücken, gar von Leidenschaft. Zu sehen, geschweige denn zu spüren, war davon allerdings nichts. Selbst die Lüsternheit der Königin Isabeau, die sich gerne junge Männer zuführen ließ, wurde nur berichtet.
Am Ende sollte Johanna in Frieder Venus Inszenierung zwischen den Fronten aufgerieben werden und nicht, wie von Schiller vorgesehen, sterben; sondern als Racheengel das Schwert schwingen um König und Königin und deren Gefolge nieder zu mähen. Natürlich wieder begleitet vom Schrei der Verzweiflung, wie so oft in dieser Aufführung.
Die Absicht von Frieder Venus, sich allein auf die Figur Johanna und ihre Konflikte zu konzentrieren, war zu erkennen. Nicht ohne Grund ließ er Thibaut d’Arc gleich zu Beginn der Darstellung das Wort ergreifen. Marie Bretschneider schaffte es zwar der Figur Jeanne d’Arc etwas Wahnsinniges und Unheimliches zu verleihen, als sei sie nicht von dieser Welt. Aber genügt das für einen gut anderthalbstündigen Theaterabend?
Schade eigentlich, denn Schillers romantische Tragödie bietet all die Facetten, die ein gutes Theaterstück braucht, um den Zuschauern keine Gelegenheit zum Zählen der Scheinwerfer zu bieten.

Wie sagte doch Thalia-Intendantin Annegret Hahn wenige Stunden zuvor, bei der Vorstellung des Spielplans der Kultur GmbH in Halle (Saale):
Wenn ein Projekt gut vorbereitet und erfolgreich sein soll, muss man sich auch die Zeit dafür nehmen.
Frieder Venus hätte NEIN sagen sollen, als man ihn als Lückenbüßer auserkoren hat.

 

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