NS-Justiz in Halle: Richter, Henker und ihre Opfer

Bild: MJ LSA

Wanderausstellung macht Station im Landgericht Halle (Saale)

Halle (Saale) - 28. Januar 2009 | salikus.de

Unter dem Titel "Justiz im Nationalsozialismus – Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes" wurde am Dienstag eine Wanderausstellung im Landgericht Halle (Saale) eröffnet. Von Richtern, die eifrig dem Faschismus dienten, und Opfern, die der Willkür ausgeliefert waren, soll berichtet werden.

Dienstagnachmittag in Halle (Saale), die Stadt ist eingehüllt in schweren grauen Dunst und am Landgericht ein reger Publikumsverkehr. Es steht keine spektakulärer Gerichtsprozess an, jedoch eine Ausstellung über Prozesse und deren Folgen aus der grauen, besser: braunen, Geschichte Deutschlands. Eine Ausstellung über die Justiz im Dritten Reich an einem Ort, der auch Juristen in Halle (Saale) zu Mittätern werden ließ. Richter, Ankläger und Verteidiger, die all zu bereitwillig am Mitteldeutschen Sondergericht in Halle das Deutsche Volk schützen wollten und in dessen Namen Urteile fällten.

Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse ...
... und die Folgen der Verurteilte. Das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" vom 14. Juli 1933 sollte der "Erhaltung des Volkstums" dienen, meinte Reichskanzler Adolf Hitler. Das Gesetz sollte zur "Verbesserung der Bevölkerung" eingesetzt werden und öffnete damit der Zwangssterilisation von Kranken und anderen sogenannten Minderwertigen die Tore. Was bis dahin unter Strafe stand wurde nun als legitimes Mittel im Namen des Deutschen Volkes eingesetzt. Bei Männern durchtrennte man den Samenleiter, bei Frauen geschah die Sterilisation durch Quetschung, Trennung oder Verknotung der Eileiter. An Hand von Beipielen zeigt die Ausstellung, wie Richter und Ärzte diese Gerichtsverfahren durchführten. Es wurde nicht einmal für nötig befunden, die Gründe im Urteil festzuhalten.

Namen - Fakten - Urteile
Die Ausstellung "Justiz im Nationalsozialismus - Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes" zeigt die Rolle der deutschen Justiz in den Jahren 1933 bis 1945. Sie nennt Namen von Tätern und ihrer Opfer, sie präsentiert Biografen des aktiven Mitwirkens an staatlichen Verbrechen ebenso wie Schicksale von Frauen und Männern als Opfer staatlicher Willkür. Die Mehrheit der deutschen Richter und Staatsanwälte hatte die Machtergreifung der Nationalsozialisten begrüßt.
"Mit Elan und Scharfsinn pervertierten sie die Anwendung des Rechts zu einer juristischen Machttechnik, um nicht nur jeden Widerstand sondern jedwedes abweichende Verhalten mit schärfsten Strafen zu bekämpfen."

Öffnungszeiten der Ausstellung
vom 28. Januar 2009 - 09. April 2009
Montags, Mittwochs und Donnerstags 08:00 Uhr - 16:00 Uhr
Dienstags 08:00 Uhr - 18:00 Uhr
Freitags 08:00 Uhr - 14:00 Uhr

Begleitprogramm zur Ausstellung:

  • 29.01.2009, 10:00 Uhr
    Workshop "Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät Halle im Nationalsozialismus" an der Universität Halle-Wittenberg
  • 03.02.2009, 10:00 Uhr
    Wissenschaftliche Konferenz "Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät Halle im Nationalsozialismus" an der Universität Halle-Wittenberg 03.02.2009, 17:00 Uhr
    Vortrag "Zwölf Jahre Dienst am Recht?" an der Universität Halle-Wittenberg
  • 10.02.2009, 18:00 Uhr
    Vortrag "Fremd- und Zwangsarbeiter im Blickpunkt der hallischen Justiz" im Landgericht Halle
  • 13.02.2009, 08:00 Uhr
    Lehrerfortbildung im Landgericht Halle
  • 18.02.2009, 18:00 Uhr
    Vortrag "Als Menschen zu "Schädlingen" wurden. Die Arbeit der hallischen Sondergerichte am Beispiel der "Volksschädlingsverordnung"" im Stadtarchiv
  • 27.02.2009, 17:00 Uhr
    Vortrag "Hingerichtete für die Anatomie - Halle 1933 - 1945" an der Universität Halle-Wittenberg
  • 03.03.2009, 18:00 Uhr
    Vortrag "Carl Wentzel - Landwirtschaftlicher Großunternehmer, sozial engagierter Arbeitgeber und Wirtschaftsfachmann" im Landgericht Halle
  • 10.03.2009, 18:00 Uhr
    Vortrag "Das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" vom 14.07.1933 und seine Umsetzung durch die städtischen Behörden Halle" im Landgericht Halle
  • 17.03.2009, 20:15 Uhr
    Film "Rosen für den Staatsanwalt" im Lux.Kino am Zoo
  • 19.03.2009, 10:00 Uhr
    Vortrag ""... das gesunde Volksempfinden gröblichst verletzt" - Verbotener Umgang mit Kriegsgefangenen vor dem hallischen Sondergericht 1940 - 1945" im Landgericht Halle
  • 24.03.2009, 18:00 Uhr
    Vortrag ""... das gesunde Volksempfinden gröblichst verletzt" - Verbotener Umgang mit Kriegsgefangenen vor dem hallischen Sondergericht 1940 - 1945" im Stadtmuseum Halle 02.04.2009, 19:30 Uhr
    Buchpräsentation "Verboten, verschwiegen, verschwunden - Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt" unter musikalischer Einrahmung von Schülerinnen und Schülern der Latina im Stadtmuseum
  • 07.04.2009, 18:00 Uhr
    Vortrag "Rechtsanwälte im Nationalsozialismus" im Landgericht Halle
  • 28.04.2009 Fortbildung "Juristen im NS-Staat - für das Unrecht blind?" in der Gedenkstätte ROTER OCHSE

 

 

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