Spiel es noch einmal, Massimo ...

Bild: Thomas Schult

Massimo Furlan auf den Spuren von Jürgen Sparwasser

Halle (Saale) - 24. Juni 2008 | salikus.de

Eine Fußballinszenierung im Kurt-Wabbel-Stadion von Halle (Saale): "22. Juni 1974, 21 Uhr 03". 90 Minuten deutsch-deutsche und Fußballgeschichte zum Festival "Theater der Welt" 2008 mit 2600 Besuchern als Spielgefährten des Schweizer Performancekünstlers Massimo Furlan.

Es könnte wie im Filmklassiker Casablanca gewesen sein, als Torsten Maß, Kopf des Festivals „Theater der Welt“ 2008 in Halle (Saale), zu dem Schweizer sagte: spiel es noch einmal, Massimo ..., das legendäre Spiel der DDR gegen die BRD zur Fußball-Weltmeisterschaft im Hamburger Volksparkstadion.
Und der Schweizer Massimo Furlan schaute sich die Aufzeichnung des deutsch-deutschen Fußballspiels 43 mal in voller Länge – 65 Stunden – an, bevor er dann am Sonntag im Kurt-Wabbel-Stadion den Rasen betrat, der normalerweise dem Halleschen Fußballclub (HFC) und seinen Gästen aus der Regional-Liga vorbehalten ist. Und 2600 Zuschauer, ausgestattet mit kleinen Transistorradios, nahmen die Tribüne in Beschlag, um dem theatralen Spiel, dem Remake von 1974 zu folgen.
Eingeleitet wurde das Spiel, einer Weltmeisterschaft angemessen, durch das Singen der jeweiligen Nationalhymnen und diese wurden nicht etwa aus der Konserve abgespielt, sondern vom Spielmannszug Halle. Und das Publikum ging schon jetzt mit, erhob sich feierlich von den Plätzen und sang beide Hymnen mit. Hier und da wurden auch DDR-Fahnen geschwenkt.
Amüsiert und verunsichert, was da jetzt geboten werden soll, lauschten die Zuschauer auf der Tribüne den Kommentaren aus den Radios. Mehrheitlich und hörbar war aber die Ost-Frequenz eingestellt.
Dann der Anpfiff und Massimo Furlan, alias Jürgen Sparwasser, lief los und dem imaginären Ball hinterher, ohne Mannschaft, ohne Schiedsrichter auf dem Rasen.
Und das Lachen im Publikum galt oft sich selbst, dass man dieses irrwitzige, ja skurille Spiel mitspielt.
In der Tat, der Schweizer Furlan hatte mit den Besuchern dankbare Partner und Spielgefährten seiner Solo-Performance gefunden. Sie durchlebten die Fouls und begleiteten sie mit den üblichen Buhrufen, sie fieberten bei den Torchancen mit und begleiteten das Scheitern mit einem Chor der Enttäuschung.
Selbst das Wetter schien Teil der Inszenierung zu sein. Der einsetzende Regen ließ das Publikum schnell die Schirme aufspannen oder aber Regencapes überziehen. Und wie bei richtigen Fußballfans, so blieben auch die Besucher des theatralischen Fußballspiels mehrheitlich auf ihren Plätzen und trotzten dem Regen.
Die Halbzeitpause nutzte Heribert Fassbinder, 1974 Kommentator des Länderspiels für die ARD, für ein Interview mit dem ehemaligen Fußballer DDR-Nationalmannschaft, Jürgen Sparwasser. Die beiden Ehrengäste des Abends schwelgten dann auch humorig in Erinnerungen. Für die Besucher, die es nicht auf den Plätzen hielt, gab es die Möglichkeit des Schlangestehens am Bratwürstchen- oder Getränkestand. Andere ließen sich zu einem Gewinnspiel mit einer als Sponsor auftretenden Krankenkasse überreden. Doch den Beginn der zweiten Halbzeit verpassten nur Wenige, trotz Mangel einer eindeutigen Ankündigung.

Und Massimo Furlan spielte auch die zweite Halbzeit konsequent jeden Spielzug von Jürgen Sparwasser aus dem Jahr 1974 nach. Das Publikum hatte weiter Spaß am Auspfeiffen der Entscheidungen des unsichtbaren Schiedsrichters oder dem freudigen Applaus eines erfolgreich abgewehrten Angriffs von Franz Beckenbauer.
An den Fenstern der umliegenden Wohnhäuser haben sich ebenfalls Zuschauer, ausgestattet mit Ferngläsern und Fußballtrikots, eingefunden. Die des obskuren Spektakels wegen sicher viele offene Fragen hatten. Sie sahen einen Mann im blauen Trikot mit der Nummer 14 auf dem Rücken aber keine Mannschaft. Sie sahen und hörten die Begeisterung, die Enttäuschung der Zuschauer aber keinen Ball auf dem Rasen.
 
Massimo Furlan ist es gelungen, das Publikum auf seine Reise in das Jahr 1974 mitzunehmen, zu begeistern; Freude zu erleben und zu zeigen. Und er belohnte es mit einem 1:0 für die DDR und ließ sich dafür ausführlich bejubeln. Die 93 Minuten, inklusive Nachspielzeit haben das Publikum (ohne Regieanweisungen) und Furlan (mit seinen eigenen Spielanweisungen) eine unterhaltsame und theatrale Fußballshow abgeliefert – inklusive Siegerpose und Laolawelle am Ende des Spiels.

 

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