Süffige Wortgefechte in Halle (Saale)

Bild: Sven Dressler / HALternativ

Der HALternativ e.V. feierte den 2. Geburtstag von Poetry Slam im TURM

Halle (Saale) - 22. April 2009 | salikus.de

Wortakrobatik und Vortragskunst im 6-Minuten-Takt. Der 15. Poetry Slam war zugleich ein kleines Jubiläum, zwei Jahre gibt es jetzt diesen Wettstreit schon, den der HALternativ e.V. regelmäßig veranstaltet. Und kein Geringerer als Wolf Hogekamp, Pionier des Poetry Slam in Deutschland, kam nach Halle (Saale) als Gratulant und Wettbewerbsteilnehmer.

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ lautet da ein Spruch. Am Sonntag war es aber Tobias Glufke der bestrafte, denn der Andrang vor dem TURM war so groß, dass er Leute wieder nach Hause schicken musste. Aber ein Trostpflaster gab er ihnen auf den Heimweg mit, sie dürfen beim nächsten Poetry Slam für einen ermäßigten Obolus in die Veranstaltung.
Während am Einlass noch das Geld gezählt und die Hand abgestempelt wurde, hat im Inneren des TURMS die Band Mr. Sushi das Stimmungsbarometer fest im Griff. Was auch nicht verwunderlich war, denn die leichtfüßigen Songs waren eher partyverdächtig und etwas für Tanzwütige.

Schwitzende Worte in Fesseln gelegt
Nach einem rasanten Warm up durch Christoph Fröhlich, der in seinem Text 287 Folgen von Goethes Faust drehen wollte und sich in pornografischen Szenen verlor, ahnte noch niemand, dass es an diesem Abend noch heftiger werden würde. Zehn Slammer waren gemeldet und irgendwie hangelte sich das Thema Sex durch den Abend. Nach drei Kurzgeschichten von Lutz Bocher kam der Berliner Wolf Hogekamp an die Reihe, der überhaupt das erste Mal in Halle (Saale) sei und dann einer zubetonierten Stadt huldigte, welche dann allerdings Chemnitz war. Erst sein zweiter Text sollte sich mit Halle beschäftigen, in dem es Ponys vom Himmel regnete und er sich fragte, wer deren ganze „Pisse“ denn wegwische. Eine Geschichte, die er sicher oft und bequem auf die jeweilige Stadt adaptiert, in der er gerade einen Auftritt hat.

Je oller, um so doller
Allein die Tatsache, dass der nächste Teilnehmer, Rudi Berger aus Leipzig, 85 Jahre alt ist, war schon eine kleine Sensation des Abends. Aber wer erwartet hat, dass jetzt hausbackene Gedichte oder schwelgende Prosa an der Reihe wären, den hat der Leipziger schnell eines Besseren belehrt. Und was er dann für einen Text ablieferte … Manch einer jungen Zuhörerin trieb er jedenfalls die Schamröte ins Gesicht. Leder, Strapse, Fesseln, Vagina, anal und Feuchtgebiete aller Art hechelten durch seine Verse, die dann irgendwie eine Liebeserklärung sein sollten. Und am Ende war es dann doch nur ein Traum, ein feuchter und quälender Traum. Die Lacher, die er erntete, waren nicht seinem Witz, sondern seiner Skurrilität, seiner erfrischenden Obszönität geschuldet. Ein mutiger Senior erntete am Ende einen dankbaren Applaus.

Verse in Binärcode
Weiter ging es über surrealistische Geschichten, eigenwillige Methoden Kritik einzufordern und der Wiederentdeckung des eigenen Lebens. Bis dann Christian Patzel als Newcomer im Poetry Slam seinen Auftritt hatte. Seine lyrische Erinnerung an einen Mann, den er als Zivi über Monate hinweg beim Sterben begleitet hat, war nicht von Schmerz geprägt, viel mehr von der Neugierde auf das, was danach kommen wird. Ein gelungener Einstieg, wie auch das Publikum durch Applaus signalisierte. Aber auch er hatte dann noch etwa Sex im Gepäck. Und berichtet augenzwinkernd von „Mädchen die vom Vögeln kamen“.
Dieter Behrens nahm sich eines ganz neuen Themas an, wie er versicherte, und las vier Kurzgeschichten zum Thema Jahreszeiten als Zyklen eines Menschenlebens. „Keine Zeit für ganze Sätze“, fand er für den Sommer, „dafür ist zu heiß“.
Sein Informatikergedicht, wen wundert es, schlingerte rhythmisch durch Einsen und Nullen.

Favoriten am Ende
Den Wettbewerb schlossen dann Tom aus Karlsruhe (eigentlich ein Dessauer der in der Ferne „Raketentechnik“ studiert – behauptet sein Bruder) und Nadja Schlüter aus Bonn ab.
Tom regte sich in seinem Vortrag endlos über einen imaginären Frauenversteher auf, um sich am Ende angewidert vom Spiegel abzuwenden.
Nadja Schlüter erzählte atemberaubend schnell die Geschichte eines Mädchens ohne Waschmaschine, die dann einen Jungen fand, der eine besaß und nicht enden wollenden Liebesspielen in schmutziger und dann sauberer Wäsche, bis die Maschine kaputt war und das Mädchen den Jungen verließ. Aber auch ihr Finalbeitrag war ein echtes Glanzstück, in dem es um eine Bewerbung ging, die sie gar nicht schreiben will, aber muss. Denn sie braucht ja Geld um in einer kleinen erbärmlichen Wohnung leben zu können. Was folgte war eine Aneinanderreihungen von Unfähigkeiten, die sie ihrem zukünftigen Arbeitgeber, den sie übrigens gar nicht mag, unbedingt mitteilen will.
Nadja Schlüter und Tom aus Karlsruhe kamen dann schließlich auch ins Finale. Es war ihre Art des Vortrags und die fein ausformulierten Geschichtchen, weswegen die Zuschauer sie wählten. Dritter Finalist war der Newcomer des Abends. Christian Patzel hat entweder durch seine schmerzfreie Lyrik oder sein süffisantes Mädchengedicht überzeugt.

Den Sieg des Abends und die Flasche Sekt hatte dann Tom aus Karlsruhe einheimsen dürfen. Auch wenn einige Besucher Schiebung witterten, Nadja Schlüter musste sich ihm geschlagen geben.

 

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